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Fernando Birri

28.12.2017

Der Poet des lateinamerikanischen Kinos ist tot.

In der Nacht zum 28. Dezember, dem Geburtstag des Kinos, ist in Rom der argentinische Filmemacher Fernando Birri 92-jährig gestorben. Am 13. März 1925 in Santa Fé, Argentinien, als Nachfahre italienischer Einwanderer geboren, hatte er am römischen Centro Sperimentale Film studiert und in den 1950er Jahren mit dokomentarischen Arbeiten begonnen. So entstanden noch während des Studiums die Filme Seliunte und Alfabeto Notturno. Birri arbeitete mit Carlo Lizzani, Vittorio de Sica und Cesare Zavattini, bevor er 1959 nach Santa Fé zurückkehrte und selber eine Filmschule gründete, das  Instituto de Cinematografia de la Universidad del Litoral. Zusammen mit Studenten drehte er in den Jahren 1956 bis 1958 den Dokumentarfilm «Tire dié» (Wirf den Groschen). Birri brachte seine Vorstellungen in einem Begleittext zu diesem Film - er bezeichnete ihn als Manifest - zum Ausdruck: «Ich bin für den nationalen, wirklichkeitsnahen und volkstümlichen Film.» Es folgten «Buenos dias, buenos Aires» (1960) und sein legendärer Spielfilm «Los inundados» (1961), den er mit den Worten beginnt: Ich werde Euch jetzt eine Geschichte erzählen, sie mag nicht perfekt sein, aber sie ist aufrichtig. Eine Grundhaltung im Leben des Peten, Malers, Filmemachers, Lehrers und Förderers. Zu den Glanzpunkten in seinem Wirken, das bis heute das junge Filmschaffen in ganz Lateinamerika prägt, gehörte die Gründung der Internationalen Schule für Film und Fernsehen in San Antonio de los Baños auf Kuba (1986). Zusammen mit Gabriel Garcia Marquez ist er ihr Zeit seines Lebens als Mentor und Pate zur Seite gestanden, ungezählte junge Filmschaffende des gesamten Kontinents und auch von anderswo studierten hier ihr Metier. Auch sie war ein Programm Birris als «Schule der drei Welten». 1988 drehte Birri seinen letzten grossen Spielfilm «Un senor muy viejo con unas alas enormes» nach einer Erzählung seines Freundes Marquez. Der Film feierte in Venedig seine Premiere und wurde mit dem Preis für die beste Filmmusik ausgezeichnet. 1994/94 entstand das dokumentarische Filmessay Sur, sur, sur. Birris Film Elegia friuliana (Friulianische Elegie), eine essayistische Auseinandersetzung mit Birris Vorfahren, die aus dem Friaul stammten, kam 2007 heraus. 2017 wurde das dokumentarische Porträt «Storia probabile di un angelo: Fernando Birri» fertiggestellt, das Domenico Lucchini und Paolo Taggi liebevoll gestaltet haben und das trigon-film 2018 herausbringen wird, zudammen mit restaurierten Werken des wunderbaren Filmemachers und Menschen. Der Film feierte diesen Dezember seine Premiere in Havanna und San Antonio de los Baños.

Weitere Informationen zu Storia probabile di un angelo: Fernando Birri

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