Filmsynchronisation - Fastfood

Mainstreamverleiher und Multiplexbetreibende kämpfen mit Synchronisationen für die sprachliche Verblödung.

Einige Fragen, die Walter Ruggle, dem Direktor von trigon-film, im Zusammenhang mit der Synchronisationsdebatte gestellt wurden und einige Antworten dazu.

 

Warum bringt trigon-film die Filme mit Untertiteln ins Kino und nicht deutsch synchronisiert?

Filme sind eine kulturelle Ausdrucksform, und integraler Bestandteil einer Kultur ist die Sprache. Selbst wenn man eine Sprache nicht selber spricht, so kann man über ihren Klang vieles von einer anderen Kultur wahrnehmen. Jede Sprache ist auch Musik, und diese Alltagsmusik klingt in Hongkong, Bischkek, Nouakchott, Salvador de Bahia oder Ushuaia anders als in Hamburg und ohnehin anders als in jedem deutschen Synchronstudio. Dort, wo man die Sprache eines Filmes selber spricht, bereichert das Original zudem die eigene Sprachkenntnis. Bei Büchern kommen wir um Übersetzungen nicht herum, bei Filmen ist ja das Wunderbare, dass sie die Ganzheit einer Kultur vermitteln können, wenn man sie so belässt, wie sie sind. Also im Original.

Gibt es eine Nachfrage nach trigon-Filmen in deutscher Synchron-Fassung?

Nein, im Gegenteil: Es gäbe Ärger, wenn wir einen Film synchronisiert herausbringen würden.

Sprechen eure Filme generell ein Publikum an, das sich Untertitel gewohnt ist? 

Ja. Dazu kommt: An Kulturen interessierte Menschen sind auch an Sprachen interessiert, selbst wenn sie sie nicht sprechen. Es gibt wunderbare klangliche Momente, die von jeder Synchronisation kastriert werden. Und es gibt beispielsweise körpersprachliche Ausdrucksformen, die mit einer anderen Sprache nicht mehr natürlich wirken. Ganz abgesehen davon ist eine lippensynchrone Version inhaltlich nie korrekt, weil sie zu viele Konzessionen machen muss. Als Zuschauer habe keine Chance, eine Übersetzung zu kontrollieren. Und es gibt hunderte von Beispielen lächerlicher Übersetzungen in Synchronfassungen.

Könnt ihr eine Tendenz feststellen? Wenn ja, wie erklärt ihr sie euch?

Wir stellen für unsere Filme keine Veränderungen fest, nehmen aber wahr, dass die Fastfood-Mentalität einzelner Kinos und Verleiher auch vor der Sprachwursterei nicht Halt macht. Im deutschsprachigen Raum beneiden Kinoliebhabende die Schweiz um die Originale. Während die Schülerinnen und Schüler heute Frühenglisch lernen müssen, nimmt man ihnen im Mainstreamkino die Herausforderung, die Sprache auch aus dem Alltag heraus zu hören und hörend zu praktizieren.


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