09.11.2010

Starker Kinoherbst

Marokko, Iran, Sahara: Starke Filme für die kommende Saison.

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Zwei Preise gingen an der Berlinale 2012 an Filme aus der Kollektion trigon-film: Der CICAE-Preis (Filmkunsttheatervereinigung) ging an Faouzi Bensaïdi und seinen DEATH FOR SALE «für seine respektvolle wie auch originelle Abhandlung des Genre film noir, für seine tragische wie auch emotionale Kraft, für seine Stärke als Dokument einer bestimmten Jugend innerhalb einer ausweglosen Situation im Moment des ausbrechenden arabischen Frühlings und für seine ästhetischen Ehrgeiz und Standpunkt als Cineast.» Und der NETPAC-Award für den besten asiatischen Film ging an MODEST RECEPTION von Mani Haghighi aus dem Iran, ein packendes Kinostück aus den Bergen Irans. 


Die neuen Filme:
MODEST RECEPTION von Mani Haghighi, Iran
Eine bitterböse Satire: Ein Mann und eine Frau sind in den Bergen unterwegs, zufällig angetroffenen Menschen grosse Mengen Geld zu verteilen, das diese so gar nicht wollen. Grossartig gespieltes Kino über ein globales Phänomen. Iranisches Kino, das unter schwierigsten Bedingungen überhaupt noch entstehen kann.


DEATH FOR SALE von Faouzi Bensaidi, Marokko 
Jungsein im arabischen Raum: Einmal mehr überrascht Faouzi Bensaidi mit einem eigenwillig schrägen Blick auf den Alltag in seiner Heimat. Eine arbeitslose Jugend ist zu Kleinkriminalität verdammt. Aus dem Humus, auf dem der arabische Frühling spriesst.  Stilsicher und atmosphärisch dicht erzählt. In der Romandie haben wir den Start bereits festgelegt.


THE WOMAN IN THE SEPTIC TANK von Marlon N. Rivera, Philippinen
Film-im-Film-Komödie: Zwei junge Filmschaffende wollen einen ersten Spielfilm in den Slums von Manila drehen und entwicklen die Möglichkeiten dazu vor unseren staunenden Augen. Ein Publikumsfavorit am Forum des Jungen Films in Berlin. Trotz ernsthafter Thematik kreist der Filmemacher munter um die Möglichkeiten der Darstellung eines Themas und landete in seiner Heimat den Kinohit der Saison. 


WILAYA von Pedro Pérez Rosado, West-Sahara
Wüstenfilm aus vergessener Region: Eine junge Sahauri aus Spanien kehrt heim in ihre Region, in der die Menschen seit Jahren in einem Wartezustand leben und von niemandem akzeptiert sind. Grandiose Wüstenbilder und eine Erinnerung an ein verlorenes Volk, das die Welt vergessen hat. Der Film erinnert, trotz anderer Anlage und Zugänglichkeit, an Abderramahne Sissakos EN ATTENDENT LE BONHEUR


UN AMOR von Paula Hernández, Argentinien
Erinnerte Liebesgeschichte, für einmal aus weiblicher Perspektive erzählt: Eine Frau kehrt nach dreissig Jahren nach Buenos Aires zurück und besucht dort zwei Freunde aus der Schulzeit, mit denen sie einst das Liebeserwachen erlebt hat. In Mannheim hat die Jury der Kinobetreibenden in ihrer Empfehlung des Films notiert: «Mit stilsicherer Farbsymbolik erzählt Paula Hernández die Geschichte einer Ménage à trois von den bittersüssen Erinnerungen an einen verliebten Sommer und von einer melancholischen Wiederbegegnung nach mehr als 30 Jahren.» 


UN MUNDO SEGRETO von von Gabriel Mariño, Mexiko
Roadmovie aus Mexiko: Unterwegs zu sich selbst ist eine junge Frau, die Schule und Mutter verlassen hat, um zu einer Reise aufzubrechen und dabei zu erfahren, dass sie zu sich stehen und mit sich fertig werden muss im Leben. Der Film ist von visions sud est gefördert worden und verdient es, im kleinen Rahmen ausgewertet zu werden. Eine stimmig erzählte Coming-of-Age-Geschichte.


NO MAN'S ZONE von Atoshi Fujiwara, Japan
Fukushima danach: Die Atomkatastrophe haben am 11. März 2011 die Welt wachgerüttelt, denn die Reaktoren könnten unsere sein. Inzwischen redet kaum noch jemand davon, als ob die Strahlung sich verzogen hätte. Dies ist der Augenschein eines Filmemachers an Orten, an denen das menschliche Leben keinen Platz mehr hat und eine Reflexion über den Umgang mit Bildern in solchen Situationen.


GOLDEN SLUMBERS von Davy Chou, Kambodscha
Das Kino im alten Kambodscha: Kein Thema, das massentauglich ist, aber einer der schönsten Filme, die je übers Kino gedreht wurden. Die Roten Khmer hatten auch eine Filmkultur zerstört, die hier wieder auflebt und mit ihr die Liebe zum Kino. Überlebende erzählen, da die meisten Bilder systematisch zerstört wurden, vom Filmemachen, vom Kino, von ihrem Land, ihrer Kultur, der Geschichte. 


AUMA OBAMA von Branwen Okpako, Kenya
Leben in Afrika heute: Im Herbst wählen die USA wieder ihren Präsidenten. Vor vier Jahren war es zum ersten Mal ein Afroamerikaner, der das Amt bekommen hatte. Der Film schildert jene Wahlen aus der Sicht von Barak Obamas Halbschwester in Kenya und sinniert über das hier und dort. Im Hinblick auf die kommenden Wahlen und insbesondere auch zur Schularbeit zum Kontinent Afrika, denn die Perspektive auf die USA und die Welt ist hier klar eine andere.