Aux Guerriers du silence

Cesar Paes
Brasilien, 1992
Wo liegt sie, die Nahtstelle zwischen Natur und Kultur? Was bloss haben die Saamen in Lappland und die Fulni-ôs im brasilianischen Sertão mit einander gemeinsam? Wie kommt ein brasiliansischer Filmemacher dazu, die beiden kleinen Völker in einem Film zusammen zu bringen? Sowohl die Saamen als auch die Fulni-ôs pflegen eine Kultur der mündlichen Überlieferung. Im Norden von Eis und Mitternachtssonne die einen, im Süden von Hitze und Urwaldvegetation die anderen leben sie seit Jahrhunderten nach ihren Traditionen. Entscheidend sind da Dinge, die in manch einer hoch entwickelten Gesellschaft verkümmerten: Der Platz des Menschen, der Wert der Zeit, das Verhältnis zur Umwelt.

Mit leuchtender Bildkraft beschreibt der Film an zwei Enden der Welt die Begegnung von Kulturen mündlichen Ausdrucks mit Kulturen der Schrift, die die mündliche Kultur verneint, entmachtet und beherrscht haben. Im Film selber kommentiert sich dem Thema gerecht alles wie von selbst, begegnen sich durch wundersame Schnittfolgen Feuer und Eis zu einem Reigen: Hier die Gemächlichkeit des träg fliessenden Flusses, dort die Behendigkeit der gezäunt rennenden Rentiere. «Wir hielten an der Idee fest», sagt Cesar Paes, «im Gespräch mit Menschen beider Kulturen die Natur als gemeinsames Element zu benutzen, denn die Natur dient allen Menschen als Lebensgrundlage und ist überall auf der Welt die fundamentale Frage.»

Die wichtigste Gemeinsamkeit der beiden Völker bestehe darin, dass sie am Aufbau einer neuen Sprache arbeiten und ohne Rachegefühle, ohne steriles oder kompliziertes Abwarten der verschwindenden Gattung eine neue Kultur aufbauen, eine neue Denkweise. «Im Film reden wir mehr vom Überleben und von der Zukunft als von der Vergangenheit, die für ewig verstrichen ist.»

Walter Ruggle