Le Bouillon d'Awara
Vom unerschöpflichen Reichtum der Kulturen handelt der Film «Le Bouillon d'Awara» des Brasilianers Cesar Paes. Der Titel nimmt Bezug auf ein Gericht in Französisch-Guyana, wo Kreolen, Indianerinnen, Surinamesen, Europäerinnen, Chinesen, Hmongs aus Laos, Afrikanerinnen und andere mehr zusammenleben und ein knallbuntes Völkergemisch bilden. Eine einheitliche kulturelle Identität ist etwas, was man da vergebens sucht. Gleichsam als Symbol für diesen Zustand hat Cesar Paes das Nationalgeicht des Landes, die Awara-Bouillon, genommen. Sie wird überall nach eigenem Rezept zubereitet und ganz nach dem jeweiligen Geschmack der Köchin. In dieser einzigartigen Suppe findet sich «alles, was es auf Erden gibt», Früchte, Gemüse, Fleisch, Fische, Fermente sowie das Öl der Awara-Frucht. Während zwei Tagen wird das leckere Gebräu zubereitet und geköchelt. Der Legende zu Folge entwickelt der exotische Pot-au-Feu, von dem man am Ende des Films am liebsten gleich einen grossen Löffel ab Leinwand versuchen möchte, magische Kräfte.
Ganz spezielle Aufmerksamkeit schenkt man der Zubereitung der Awara-Suppe jeweils auf den Ostermontag hin. Cesar Paes schafft es in seinem sich selber kommentierenden Film nicht nur, uns durch seine feinfühligen Beobachtungen und sorgsamen Montagen des Alltags rund um die Suppenherstellung herum gluschtig zu machen, er führt uns auch die Vielfalt im Leben in dieser Ecke der Welt im sinnlichsten Sinn vor Augen. Mana, der Ort des lukullischen Treibens, zählt 1500 Menschen, und jeder Haushalt scheint da Einblick in ein anderes Land des Planeten zu gewähren. Klar, dass eine gewisse Unordnung mit zur Erkenntnis gehört, schliesslich zeigt sich nicht zuletzt in diesem Suppentopf, wie sehr regionale Identitäten auch etwas Fliessendes sind. Und dass das Leben ungemein farbenfroh sein kann, wenn man es nur zu geniessen versteht.
Walter Ruggle
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