Pure Coolness - Boz Salkyn

Ernest Abdyjaparov
Kirgisistan, 2007
In den Dörfern in den Bergen des ländlichen Kirgistans existiert ein eigenständiger Brauch: die Entführung der Bräute. Wer es schafft, die künftige Frau eines Anderen zu entführen, darf sie behalten. Das kann in einem Umfeld, in dem noch einige familiär verkuppelt werden, auch für Frauen ganz praktisch sein. Pure Coolness ist eine ebenso kurlige wie warmherzigen Erzählung über die familiäre Loyalität, Betrug, Verrat und vor allem: über die Liebe.

Asema, ein modernes Mädchen aus einer intelligenten, städtischen Familie, fährt mit Murat, ihrem künftigen Ehemann, in sein Dorf. Heiraten wollen die beiden später, wenn Murat Arbeit gefunden hat. Asema möchte durch die bevorstehende Heirat vor allem ihren langweiligen Bürojob loswerden. Doch erst soll sie Murats Verwandten vorgestellt werden, die auf dem Dorf leben und die Traditionen pflegen, auch jene, dass die Frau im Schatten des Mannes stehen soll. Die seltsamen Rituale irritieren die junge Frau aus der Stadt, die zum ersten Mal ins Dorf gekommen ist. Doch für Murat ist sie bereit, ihr neues Schicksal auf sich zu nehmen.

Am Ufer des Issyk-Kul in der wunderschönen Berglandschaft kommt es für Murat aber auch zum Wiedersehen mit Burma, seiner ehemaligen Freundin, die ihn immer noch liebt. Der junge Hirte Sagyn versucht mit dem Nachbarmädchen in Kontakt zu kommen, und sein Clan trifft bereits die nötigen Vorbereitungen für den geplanten Brautraub. An der arrangierten Geburtstagsparty soll die Braut gekidnappt und ins Haus von Sagyn gebracht werden.

Pure Coolness ist ein Film über die Liebe, aber auf den Kopf gestellt. Die Liebe symbolisiert geschlechtliche Beziehungen überhaupt und ermöglicht Assoziationen und Kontraste, die vom erotischen Abenteuer bis zum Entwurf einer Utopie reichen. Das Mädchen, das für Sagyn als Frau vorgesehen ist, stellt ihm die Frage, ob er sie denn liebe oder ob er eine Frau für seine Schafherde brauche. Ernest Abdyjaparov erlaubt sich in amüsanter Art, auch die Traditionen zu ironisieren und etwa den Brautraub über die Ironie in Frage zu stellen. Pure Coolness ist nach Saratan der zweite Spielfilm des kirgisischen Regisseurs über das Leben auf dem Lande. Ein weiterer Film über junge Menschen, die sich weniger emanzipatorisch als vielmehr traditionell verhalten. Er zeigt anhand der Liebe die Möglichkeiten auf, Menschen zu ihren Wurzeln zurückzuführen. Die wesentlichste Frage ist wohl die, ob es Glück in einem Leben gibt, das nach den alten Bräuchen der Vorfahren strukturiert ist. Abdyjaparov erzählt glaubwürdig, authentisch und heiter.