The Puppetmaster - Hsimeng rensheng

Hsiao-hsien Hou
Taiwan, 1990
Der Taiwanese Hou Hsiao-hsien zählt zu den zentralen Figuren des asiatischen Kinos, ja des Kinos überhaupt. Im Spielfilm "Der Puppenmeister" beweist er seine Stilsicherheit. Ein ganzes Jahrhundert spiegelt Hou Hsiao-hsien in seinem jüngsten Werk am Leben eines berühmten Taiwanesischen Puppenspielers. Mit einer Stilsicherheit, die ihresgleichen sucht, blendet er zurück aus den Erzählungen des steinalten Mannes, dessen Arbeit stets in mehr oder weniger direktem Bezug stand zur Geschichte. Als Puppenspieler reiste er jahrzehntelang durchs Land, führte seine Stücke auf, in denen sich, sei's inhaltlich, sei's formal, sei's in den Puppenfiguren, die da zum Zug kommen konnten, das aktuelle Geschehen widerspiegelt. Hou Hsiao-hsien ist ein Meister der Fixeinstellungen, vergleichbar in der Konsequenz ihrer Handhabung mit dem Japaner Yasujiro Ozu. Mit ruhender Kamera hält er einen Ausschnitt fest, in dem das Leben sich bewegt oder ruht. Die grossen Gesten sind nicht jene des normalen Menschen; der bewegt sich in den Wogen des politischen, des historischen Geschehens. Packend, wie über die teils aus dem Off erklingende Stimme des Meisters die Bilder, die wir betrachten, sich allmählich erst mit Sinn füllen.

Nach dem volksrepublikanischen Spielfilm "Farewell, my Concubine" von Chen Kaige, wäre Hou Hsiao-hsiens Werk ein weiteres Beispiel, das das derzeit starke Bedürfnis der Geschichtsaufarbeitung in China wie in Taiwan belegt. Hsiao-hsien lässt den berühmtesten chinesischen Puppentheaterspieler Li Tien-Lu seine Lebensgeschichte erzählen. Wie bei Kaige hat das Puppentheater da parallel zum Lebenstheater seine Funktion, anders als beim Chinesen sind die Bilder des Taiwanesen aber von ausgesprochener Zurückhaltung im Einsatz der Mittel geprägt. Die Ereignisse klingen mehr an, als dass sie nachgespielt wären. In statischen Einstellungen hält Hsien Momente fest, die allmählich die Klarheit des Inhalts offenbaren. Der Filmer macht deutlich, wie das Verhalten des Einzelnen sich erst im Gesamtzusammenhang richtig zeigt.

Walter Ruggle