TRAILER

Der Junge Matias und seine Mutter Laura verlassen in Panik die Wohnung, in der sie leben, nachdem die Frau einmal mehr von ihrem Mann geprügelt wurde. Häusliche Gewalt nennt man das, und man weiss, dass sie verbreiteter ist, als man denkt. Matias ist achtjährig und Laura wieder schwanger. Zusammen suchen Mutter und Kind einen Ort, an dem sie sich sicher fühlen können und unerreichbar für den Mann und Vater. Diego Lerman erzählt von einem Flüchtlingspaar in der eigenen Stadt. Buenos Aires ist austauschbar, denn das, was die beiden erleben, könnte sich überall abspielen, auch bei uns. Packend ist der Film inszeniert, konsequent beschreibt der Regisseur die Wahrnehmung des Kindes in einer Situation, die für die Mutter unhaltbar geworden ist.

Wo ist sie, die Geborgenheit?
Es ist zutiefst beeindruckend, wie Diego Lerman es schafft, von der Gewalt an einer Mutter zu erzählen, ohne äusserliche Gewalt zu zeigen. Die Absenz des Mannes macht einen schönen Teil der ungemeinen Kraft dieses Filmes aus, der uns nach innen blicken lässt, indem er aufs Ablenkende an der Oberfläche verzichtet. Der Regisseur von «La mirada invisible» setzt zusammen mit seiner Co-Autorin María Meira dort an, wo die Verzweiflung die Flucht als letzten Ausweg fordert: Laura nimmt ihren Buben und will ganz einfach weg. Wohin, ist ihr eigentlich unklar, sicher nicht zurück. Im Frauenhaus mag sie auch nicht bleiben. Aber wohin? Wir lesen täglich von Menschen, die auf der Flucht sind vor brutalen Regimen oder aus wirtschaftlicher Not. Diego Lerman widmet sich jenen, die mitten unter uns abhauen wollen. Auslöser für seinen Film war eine von ihrem Mann malträtierte Frau, die er eines Tages vor dem Hauseingang vorfand. Er begann zu recherchieren und stiess auf die Gewalt, die mitten in unseren Gesellschaften ausgeübt wird in einem Ausmass, das erschreckend ist.

Der Filmemacher wählte den unschuldigen Blick eines aufgeweckten Knaben (mit intensivem Blick verkörpert durch Sebastián Molinaro), der wahrnimmt, aber nicht wirklich einordnen kann. Entstanden ist ein eigentlicher Krimi, der die schiere Ausweglosigkeit fühlbar macht. Lerman schafft es mit seiner in jedem Augenblick dichten Inszenierung, uns in die Situation der beiden zu versetzen, mit ihnen auf der Flucht zu sein und dabei gewahr, dass wir ja eigentlich in der eigenen Stadt sind. Buenos Aires liefert Fassaden, die überall in der Welt stehen könnten, jene Fassaden, die verbergen, was sich hinter ihnen abspielt. Das ist ein Thriller, der uns hineinführt in ein tabuisiertes Thema und über die Wahrnehmung von Matías teilhaben lässt. Unglaublich intensiv.
Walter Ruggle

Originaltitel Refugiado
Deutscher Titel Refugiado
Französischer Titel Refugiado
Andere Titel Refugiado
RegisseurIn Diego Lerman
Land Argentinien
Kinoformate Blu-ray, DCP
Drehbuch Diego Lerman, María Meira
Montage Alejandro Brodersohn, Diego Lerman
Musik José Villalobos
Kamera Wojtek Staron
Ton Leandro de Loredo
Ausstattung Micaela Saiegh, Sabrina Campos
Kostüme Sandra Fink
Produktion Campo Cine S.R.L.
Länge 93 Min.
Sprache Spanisch/d/f
SchauspielerInnen
Julieta Díaz Mutter, mère
Sebastián Molinaro Sohn, fils
Maria Lubos Die Grossmutter, la grand-mère
Valentina García Guerrero Die Mädchen, la fille
Auszeichnungen

UNESCO-Preis und Preis für die beste Fotografíe La Habana

Golden Crow Pheasant Award, Bester Spielfilm, Kerala Film Festival

Chicago International Film Festival, Silver Hugo, Special Jury Prize

«Dicht und intensiv.» Kulturmagazin 041

«Es sind zwei prekäre Körper in der Grossstadt: die Mutter ein Reflexbündel, der Junge ein Spielball der Situationen, der keinen Halt mehr hat und dennoch (oder deshalb) zum kleinen Entdecker wird in einer Welt, in der sich der Horizont immer wieder verschiebt. Diego Lerman bleibt oft in nächster Nähe seiner Figuren und komponiert einige höchst intensive Spannungsmomente, in denen etwa ein klingelndes Telefon zum Weltalarmton wird. Am Schluss findet er ein Bild von gemütlicher Unsicherheit, ein offenes Ende.» Tages-Anzeiger


«Diego Lerman zeigt Mutter und Sohn als Flüchtende durch die eigene Stadt, als Gehetzte, wenn alles Vertraute, Eigene fremd wird. Das erreicht nicht zuletzt deshalb eine hohe Intensität, weil es aus der Perspektive des Jungen erlebbar wird, der das Ganze nicht einordnen kann und doch irgendwie in seiner Verlorenheit versteht. Lerman macht die Gewalt spürbar, ohne dass er sie je direkt zeigt. Indem das Kind in den Fokus genommen wird, bekommt der Film etwas innig Zärtliches, das den gewalttätigen Horror in keiner Weise verharmlost.» Programmzeitung, Alfred Schlienger



«Der 1976 geborene Regisseur zeigt sich in Refugiado in Zusammenarbeit mit dem polnischen Kameramann Wojciech Staron als so formbewusster wie dramaturgisch versierter Cineast. In millimetergenau komponierten Szenen, die öfters den Geist Hitchcocks beschwören, und mit dem stupenden Spiel des Protagonistenpaares Julieta Díaz und dem achtjährigen Sebastián Molinaro wird dieses Sozialdrama um häusliche Gewalt zu einem Thriller, bei dem das Atmosphärische stets Vorrang vor dem Expliziten geniesst.» Neue Zücher Zeitung

«Die Erzählung konzentriert sich ganz auf seine beiden Hauptfiguren und deren Suche nach einem sicheren Zufluchtsort. Diese Reduzierung auf das Wesentliche wird auf narrativer Ebene dadurch noch verstärkt, dass Lerman viel mit Ellipsen arbeitet – Leerstellen, welche die Zuschauer selber füllen müssen. Visuell kommt der Film in nüchternen und ruhigen Bildern daher, wobei die Kamera durchwegs die Position des unbeteiligten Beobachters einnimmt.» Neue Luzerner Zeitung



«Lermans neuer Film Refugiado ist nun vordergründig so schlicht, dass sich der Plot leicht in nur einem Satz zusammenfassen lässt: Eine junge Mutter flüchtet zusammen mit ihrem achtjährigen Sohn Matías vor ihrem gewalttätigen Ehemann (und Vater des Sohnes) durch Buenos Aires. Dabei herrscht neunzig Minuten lang ein ständiges Gefühl der Bedrohung und latenten Gewalt. Die Gewalt in der Gestalt des Mannes wird nie sichtbar, doch stets wartet man darauf, dass dieser im nächsten Moment auftaucht. (...) Lerman spielt dabei meisterhaft mit Versatzstücken des Horrorkinos, und es finden sich auch immer wieder Elemente, die an Alfred Hitchcock erinnern.» WochenZeitung



«Diego Lerman erzählt eine Alltagsgeschichte, wie sie überall auf der Welt leider immer wieder passiert. In ruhigen Einstellungen berichtet er über häusliche Gewalt und den schwierigen Loslösungsprozess für alle Beteiligten. Dabei rückt er nicht die sichtbaren Verletzungen in den Fokus, sondern die unsichtbaren.» Medientipp



«Diego Lerman erzählt von einem Flüchtlingspaar in der eigenen Stadt. Buenos Aires ist austauschbar, denn das, was die beiden erleben, könnte sich überall abspielen, auch bei uns.» Amnesty International




«Beeindruckend ist es, wie der Film es schafft, von der Gewalt gegen eine Frau und Mutter zu erzählen, ohne diese Gewalt äusserlich zu zeigen. Die Absenz des Mannes gibt ihm Überzeugungskraft und Einblick in diese spezielle Art von Gewalt. Der Film führt nach innen, indem er auf Äusserlichkeiten verzichtet. (...) Nahe bringt uns Lerman die Gewalt aus der Sicht des Kindes, spontan und intensiv dargestellt durch Sebastián Molinaro, das vieles erfährt und wahrnimmt, doch nicht wirklich einordnen und verarbeiten kann, was mit seiner Mutter, eindrücklich und exakt gespielt von Julieta Díaz, passiert. Zum Drama mit vielen berührenden Momenten wird die Geschichte durch die schiere Ausweglosigkeit, in welche die beiden versetzt werden. Refugiado ist ein spannender Thriller und eine beissende Sozialkritik, bewegend und schmerzhaft zugleich.» Der andere Film, Hanspeter Stalder



«Um den Blick der Beobachtung zu verstärken, werden vor allem im Frauenhaus viele Schnitte durch Kamerafahrten ersetzt. Immer wieder wird der Blick gehindert durch Türen, Mauern, Fenster oder das Gitter, das die Anlage umzäunt. Ständig schwingt eine latente Bedrohung mit, die ein undefinierbares Unbehagen auslöst.» Bäckstage



«Lerman leistet eine grossartige Arbeit, um zu zeigen, wie ein Junge plötzlich entwurzelt ist und gezwungen, in einer fremden, sich ständig verändernden Umgebung zu leben.» Michał Oleszczyk

«A la fois réfugiés et fugitifs, l’enfant et sa mère sont accompagnés par la caméra avec une proximité rare, dans un mouvement fluide et pourtant très observateur. L’intensité de leur présence fait sommation à la nôtre: ils sont là; nous aussi.» Olivier Séguret, Libération

«Refugiado s’avère un des films les plus efficaces sur le fléau des violences conjugales, sans avoir eu à montrer un seul acte de violence.» Zéro de conduite

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