Saratan

Ernest Abdyjaparov
Kirgisistan, 2005
Ernest Abdyjaparov lässt uns in seiner herrlich skurrilen Komödie in die Atmosphäre eines entlegenen kirgisischen Dorfes eintauchen, das die Situation des ganzen Landes zehn Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verkörpert. Lakonisch erzählt er uns, wie alle in diesem bizarr anmutenden Mikrokosmos zwischen Politik und Religion, Tradition und Moderne mit dem Leben zurechtzukommen suchen. Er lässt wunderbare Figuren aus dem Alltag auftreten auf der Bühne dieses Landstrichs.

Burlesker Alltag in Zentralasien
In einem kirgisischen Dorf herrscht grosse Unzufriedenheit: Renten werden zurückgehalten, Gelder fliessen nicht wie erwartet, jeder versucht seine eigenen Geschäfte zu regeln, notfalls auch unter der Hand, der Kommunismus findet noch immer Anhänger und regelmässig ist der Viehdieb am Werk, dem dann der Dorfpolizist nachstellt. Dass das alles nicht viel mit Gerechtigkeit zu tun hat, er-scheint den Dorfbewohnenden offenkundig, und so tragen sie es ihrem Dorfverwalter regelmässig vor. Ihr Glaube an bessere Zeiten ist schwach wie der Glaube an einen gerechten Gott. Ob Allah oder Jehova, man gibt sich lieber irdischen Vergnügen hin. Trotz Wehmut und Klagen geht der Alltag seinen lockeren Gang. Die einen schaffen es auch, stärker davon zu profitieren. In seinem erfrischend burlesken Spielfilmdebüt «Saratan» erzählt der Kirgise Ernest Abdyjaparov episodenartig aus diesem Leben, taucht ein in den Alltag und lässt diesen sich selber und aus sich heraus ad Absurdum führen. Der Film wirkt in seiner lakonischen Erzählart und der Beobachtungsgabe tatiesk. Es ist eine spürbare Liebe zu allen Figuren mitsamt ihren Schwächen. Wir erhalten über die Erzählung und Betrachtungsweise einen wunderbaren Einblick in die entlegene Region.