Die Tunisreise - Le voyage à Tunis

Film

Die Tunisreise - Le voyage à Tunis

Bruno MollTunesien – 2007

Der Maler Paul Klee hat 1914 eine Reise nach Tunesien unternommen, die ihn nachhaltig beeinflusste. Nun folgt der tunesische Filmemacher und Maler Nacer Khemir (Bab’Aziz) im Film von Bruno Moll den Spuren Klees und lädt uns ein auf eine Entdeckungsreise in den Maghreb, hinein in die arabische Kultur. Er zeigt uns Orte, Formen, Farben und Licht, erzählt von seiner Arbeit und von Paul Klees Faszination, er denkt über die Beziehungen zwischen Okzident und Orient nach bis hin zu den Karthagern. Der Film lädt ein zur offenen Wahrnehmung.

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Eine Reise verbindet zwei Künstler in unterschiedlichen Zeiten. Für den Maler Paul Klee war die Tunisreise 1914 ein entscheidender Wendepunkt im Schaffen, während der tunesische Filmemacher Nacer Khemir als Maler stark von Klees Werk beeinflusst ist. Wir begeben uns auf eine erhellende Reise nach Tunesien und tauchen ein in die Zeichen und Farben des Maghreb.

Den tunesischen Filmemacher, Erzähler und Maler Nacer Khemir, der zuletzt mit seiner Sufi-Reise "Bab’Aziz" begeisterte, verbindet mit der Schweiz ein Name ganz besonders: Der des Künstlers Paul Klee. Der Berner Maler hat den Tunesier früh schon fasziniert, hat sein eigenes Schaffen spürbar geprägt. Vom ersten Moment an war er denn auch von der Idee des Schweizer Filmemachers Bruno Moll begeistert, die Tunisreise, die Paul Klee im April 1914 gemacht hat, anhand der Tagebuchnotizen nachzuvollziehen und aus dem Heute heraus zu betrachten. Klees Schaffen ist von der Erfahrung des tunesischen Lichts und der Farben geprägt.

Der Film "Die Tunisreise" ist eine Reise in den Orient, verbindet zwei Künstler, die der je anderen Welt mit offenen und wachen Sinnen begegnen und so vermitteln können. Bruno Moll versteht seine Tunisreise als «Annäherung an die Frage nach den Möglichkeiten von Bildern und zeigt das Verbindende der beiden Künstler.» Tunis und Karthago, Sidi Bou Said, Hammamet und Kairouan sind die Stationen. Der Blick ist geprägt von Nacer Khemir, der als Weltenreisender eine faszinierende Vermittlung zwischen Orient und Okzident schaffen kann. Wir tauchen ein in Paul Klees Bild- und Gestaltungselemente, erfahren über seine Reise den Blick auf Tunesien aus einer Zeit, die den Tourismus noch nicht kannte. Nacer Khemir geleitet uns zu den Zeichen, die diesen Teil der Welt prägen und von denen Klee viele aufgenommen hat. Die Verbindung zwischen dem europäischen und dem maghrebinischen Blick, eingefangen in wunderbaren Bildern durch Matthias Kälin, weitet unsere Sinne und lässt uns wie nebenbei die arabische Welt und jene des Islams neu wahrnehmen. Eine bereichernde Begegnung und eine lohnende Reise.

Walter Ruggle

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Originaltitel Die Tunisreise - Le voyage à Tunis
Deutscher Titel Die Tunisreise
Französischer Titel Le voyage à Tunis
Andere Titel Il viaggio a Tunis
RegisseurIn Bruno Moll
Land Tunesien
Kinoformate DVD
Drehbuch Bruno Moll; Mitarbeit: Marian Amstutz, Walter Ruggle
Montage Anja Bombelli
Musik Johann Sebastian Bach
Kamera Matthias Kälin
Ton Martin Witz
Produktion Prisma Film, Wien
Länge 76 Min.
Sprache Französisch, Deutsch
SchauspielerInnen
Nacer Khemir Nacer Khemir
Auszeichnungen

Welturaufführung im Zentrum Paul Klee, Bern
12. September 2007

Eine Reise ins Staunen.



Wenn die Uraufführung eines Films im Zentrum Paul Klee vor geladenen Gästen aus Kino- und Kunstwelt stattfindet, muss es sich wohl um ein Werk handeln, in dem sich die unterschiedlichen Ausdrucksformen begegnen und verbinden: «Die Tunisreise» von Bruno Moll thematisiert Begegnungen. Auf wunderschöne Weise ist Bruno Moll mit seinem Film eine Balance der Zeiten gelungen. Das Gestern von Paul Klee wird bedeutsam im Heute, und das Heute Nacer Khemirs gründet in mancher Hinsicht im Gestern. Nicht nur im Gestern der Begegnung mit Klee, sondern mehr noch in der Geschichte seiner Kultur, des Islam mit seinem Bilderverbot, das eigentlich nur eine Warnung vor Götzenbildern ist, des Maghreb mit seinen Zeichen, seinen Farben und seinem Licht. Ein Brückenschlag in verschiedener Hinsicht findet statt: zwischen Okzident und Orient, Nord und Süd, zwischen Menschen und zwischen ihrem Schaffen.

Fred Zaugg, Der Bund, Bern



"Die Tunisreise" ist eine Annäherung an die Frage nach den Möglichkeiten von Bildern und zeigt das Verbindende der beiden Künstler, verschweigt aber auch nicht das Trennende.

Berner Zeitung



Der Film fördert nicht nur das Verständnis für Klees Kunst und Gedankenwelt, sondern auch für die Hintergründe der arabischen Kultur. Und damit kann er tatsächlich einen Beitrag zur Verständigung der Kulturen leisten, wie es Molls Ziel war.

Andrea Lüthi



Bruno Moll hat sich mit dem tunesischen Filmer, Autor und Maler Nacer Khemir über die Tunisreise von Paul Klee von 1914 auseinandergesetzt und zeigt Verbindendes, aber auch Trennendes zwischen morgen- und abendländischer Kultur auf.

ProZ, Basel



«Der Tunesier ist ein weiser Übersetzer des Orients für den Okzident.»

Züritipp



«Die Tunisreise verbindet zwei künstlerische Lebensgestaltungen in unterschiedlichen Zeiten.»

Martina Schmidt, Zenith



«Diese Reise in den Orient verbindet zwei Künstler, die der Welt mit offenen und wachen Sinnen begegnen. Khemir versteht es, als Weltenreisender eine faszinierende Vermittlung zwischen Orient und Okzident zu schaffen. Wir tauchen in Klees Bild- und Gestaltungselemente, erfahren über seine Reise den Blick auf Tunesien aus einer Zeit, die den Tourismus noch nicht kannte. Khemir erläutert uns die Zeichen, die diesen Teil der Welt prägen und von denen Klee viele aufgenommen hat. Die Verbindung zwischen dem europäischen und dem maghrebinischen Blick, eingefangen in wunderbaren Bildern, weitet unsere Sinne und lässt uns wie nebenbei die arabische Welt und jene des Islams neu wahrnehmen. Eine bereichernde Begegnung und eine lohnende Reise.»

Liechtensteiner Volksblatt



«Mit farbigen und tonalen Flecken lässt sich jeder Natureindruck auf die einfachs-te Weise festhalten, frisch und unmittelbar. Bei der Kunst ist das Sehen nicht so we-sentlich wie das Sichtbarmachen. - Der Gegenstand war die Welt, wenn auch nicht die sichtbare. Ein Auge welches sieht, ein Anderes welches fühlt.»

Paul Klee



«Wir leben in einer Welt, heute, die ge-samthaft, in ihrer Gedächtnisstruktur, ihrer Kommunikationsstruktur, durch die Null und die Eins regiert ist, durch diese Binärsituation. Vielleicht dürfte ich sagen, dass die Null der Orient ist und die Eins der Okzident und dass es, wenn nicht beide da sind, keine Zukunft gibt, keine Kommunikation.»

Nacer Khemir





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TEXTAUSZUEGE PAUL KLEE





Die Gedanken verwirren sich aufs Neue.

Die Seele sucht südwärts??

Fehlt es am Norden, oder woran?

Luft hab ich und Nahrung.

Und kann doch nicht bleiben so.



Die Sonne von finsterer Kraft. Die farbige Klarheit am Land verheissungsvoll.

Macke spürt das auch. Wir wissen beide, dass wir hier gut arbeiten werden.

Die ersten Umformungen der neu erlebten Welt sind ein stetiger Kontrast zur Fülle und Frische der Eindrücke.



Ebenso wenig will ich unklug alles Gewonnene über den Haufen werfen. Der Weg der heraus- und weiterführt, darf nicht von einem konstruierten Willen abhängen. Er muss gefunden werden, auf innerlich-logische Weise.



Farbig fesselt uns nicht die Beleuchtung, sondern das Licht. Licht und Schatten ist grafische Welt. Abmalen lässt sich das schwer, weil der Moment zu flüchtig ist. Er muss in die Seele dringen.



Man will mehr sagen als die Natur und macht den unmöglichen Fehler es mit mehr Mitteln sagen wollen als sie, anstatt mit weniger Mitteln.

Das erste Strandaquarell heute noch etwas europäisch. Könnte auch bei Marseille gemalt sein. Im zweiten traf ich zum ersten Male Afrika.



Dieses Land ähnelt mir, und ist der Grund zu meiner eigenen Koloristik.

Eine kleine Reise ins Land der besseren Erkenntnis.



Die Landschaft ist nicht an sich da; sondern dadurch, dass wir bewegt sind, nimmt die Landschaft zum mindesten eine Gegenbewegung an. Der Mensch hat der Landschaft die Möglichkeit der Bewegung gegeben.



Was wir sehen ist ein Vorschlag, eine Möglichkeit, ein Behelf.

Die wirkliche Wahrheit selbst liegt zunächst unsichtbar zu Grunde.



Ein Auge welches sieht, ein Anderes welches fühlt.





Paul Klee, Tagebücher 1898-1918, Textkritische Neuedition, Hrsg. von der Paul-Klee-Stiftung, Kunstmuseum Bern, bearbeitet von Wolfgang Kersten, Stuttgart/Teufen 1988





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