TRAILER

In den Bergen Kappadokiens betreibt der ehemalige Schauspieler Aydin ein romantisches Höhlen-Hotel. Er lebt hier mit seiner jungen Frau Nihal und der frisch geschiedenen Schwester Necla, verwaltet die geerbten Güter der Familie und will ein Buch schreiben. Vor den Fenstern bedeckt allmählich der Schnee die irre Landschaft, und drinnen brechen die beiden Frauen ihr Schweigen. Nuri Bilge Ceylan seziert die Selbstgefälligkeit eines Mannes vor unseren Augen so bravourös, dass die 196 Filmminuten zu einem packenden Schaustück geraten, dessen Sog man sich kaum entziehen kann. Der mit der Goldenen Palme ausgezeichnete Film ist schauspielerisch und visuell ein Kinoerlebnis von grosser Intensität.

Mensch, Mann!
Der russische Schriftsteller Anton Tschechow ist sein grosses Vorbild. Daraus hat der türkische Filmemacher Nuri Bilge Ceylan nie ein Geheimnis gemacht. Innen und aussen, das Intime und die Landschaft - sie spielen eine tragende Rolle. In die Hügel Anatoliens hinein hatte er bereits seinen Spielfilm Once Upon A Time in Anatolia choreografiert; jetzt gräbt er sich förmlich in die Erde vor, in Häuser hinein, die aus dem Fels gehauen sind und in die Hügel gegraben. Hierhin hat sich der alternde Schauspieler Aydin verkrochen, um Abstand zu nehmen von der Welt, seine Ruhe zu haben und an einer Geschichte des türkischen Theaters zu schreiben. Ein Besitzender ist er und ein Intellektueller, Erbe des ganzen Komplexes und auch von Liegenschaften in der Umgebung. Selbstgefällig springt er mit den Menschen um, gleichzeitig versucht er, Ruhe auszustrahlen. Ein Murmeltier, das sich, kurz vor dem Winterschlaf und zur Schonung der angefressenen Fettreserven, nicht mehr gross bewegen will.

Dieser Mann hat gleich mehrere Probleme, von denen er sich keines eingestehen will. Die bildhübsche Frau Nihal ist eine Generation jünger und bekommt in der Höhle des Alten kaum Luft zum Atmen. Wagt sie endlich den Schritt nach aussen, wird sie von ihm verhöhnt. Die Schwester Necla nimmt er nach deren Scheidung bei sich auf, aber wirklich zuhören will er ihr nicht, bis sie ihm eines Abends seelenruhig die Leviten liest. Und draussen in der Landschaft leben ein paar armselige Schuldner, die Aydin noch weiter ausquetschen lässt, wenn sie mit den Mietzinsen im Rückstand sind. Er tut das nicht selber natürlich, dafür hat man Gutsverwalter.

Nuri Bilge Ceylan zeigt den alternden Mann verloren in seiner eigenen Natur. Er inszeniert mit seiner Figur ein Stück von explosiver Dichte, das soziale Gesellschafts-Studie genauso ist wie präzise Betrachtung eines Einzelnen, der sich in seiner Rolle des lokal Mächtigen dermassen gefällt, dass er nicht einmal zu merken scheint, wie klein sein Reich bemessen ist und wie mickrig seine Grösse in dieser Landschaft. Nicht einmal die Theaterplakate, die an den Wänden seines Zimmers hängen und von anderen Zeiten künden, können daran etwas ändern.

Von Haus aus Fotograf, versteht es Nuri Bilge Ceylan in Winter Sleep nicht nur, die Cadres präzise zu gestalten und mit den Räumen in der Zeit seiner Einstellungen zu arbeiten, er hat, zusammen mit seiner Frau Ebru, Dialoge geschrieben, denen man gefesselt lauscht, bis sie, ohne jede Überheblichkeit, bei Shakespeare ankommen.
Walter Ruggle

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Originaltitel Winter Sleep
Deutscher Titel Winterschlaf
Französischer Titel Sommeil d'hiver
Andere Titel Winter Sleep - Kış Uykusu
RegisseurIn Nuri Bilge Ceylan
Land Türkei
Kinoformate DVD, Blu-ray, DCP
Drehbuch Ebru Ceylan, Nuri Bilge Ceylan
Montage Nuri Bilge Ceylan, Bora Göksingöl
Kamera Gökhan Tiryaki
Ton Andreas Mücke-Niesytka
Ausstattung Gamze Kus
Produktion Zeynep Ozbatur Atakan - Herausgebracht mit Unterstützung durch Eurimages
Länge 196 Min.
Sprache Türkisch/d/f
SchauspielerInnen
Haluk Bilginer Aydin
Melisa Sözen Nihal
Demet Akbag Necla
Ayberk Pekcan Hidayet
Serhat Mustafa Kiliç Hamdi
Nejat Isler Ismail
Tamer Levent Suavi
Nadir Saribacak Levent
Emirhan Doruktutan Ilyas
Ekrem Ilhan Ekrem
Rabia Özel Fatma
Fatma Deniz Yildiz Sevda
Auszeichnungen

Palme D'Or Cannes 2014

Prix Fipresci 2014

«Unendlich packend.»
Pascal Blum, Tages-Anzeiger

«Wie Woody Allen in Bestform.»
Verena Luecken, FAZ


 
«Drei Stunden und sechzehn Minuten allerhöchster Genuss!»
Telerama
 
«Ein atemberaubender Film.»
The Guardian


«Ein intelligentes und raffiniertes Meisterwerk, ein unglaublicher Rhythmus, der dich nach und nach nach innen trägt. Ich habe mich in den Figuren wiedererkannt.»
Jane Campion, Jurypräsidentin Cannes


«So präzise in der Wortwahl und Dramaturgie, dass es einen umhaut.»
Der Spiegel



«Das hochintelligente Konversationsstück hat brillante Dialoge, hervorragende Darsteller und ist ungemein souverän inszeniert. Zu einer Zeit, da in der Türkei die Meinungsvielfalt und -freiheit bedrängt ist, kommt diese Auszeichnung gerade recht.»
Susanne Ostwald, NZZ



«Das grossartige Dialogstück.»
Tages-Anzeiger, Christoph Schneider



«Während sich rundum die Kriege der Türkei nähern, erhebt die Film-Kunst ihre Stimme.»
Tageswoche, Hansjörg Betschart

«Dieser Film schafft es kongenial, einen komplett entgegen den dargestellten Emotionen in der Handlung mit einem regelrechten Glücksgefühl auszufüllen. Dem Glücksgefühl, von einem raffinierten Filmmagier über drei Stunden lang mit einer jede Faser des eigenen Daseins ergreifenden Intensität in eine andere Welt entführt und gleichsam intellektuell brillant unterhalten worden zu sein. Stellt man diese grandiose Leistung zudem noch in den Kontext der aktuellen Lage der türkischen Gesellschaft, nähert sich die Begeisterung einer baren Euphorie. froh.»
Thierry Frochaux, P.S.


«Ceylans Charakterstudien wecken Sympathien und Antipathien. Und sie stimmen nachdenklich: «Winterschlaf» wird zum Gleichnis, zur Parabel und erinnert schmerzhaft an verwandte Situationen in der Schweizer Gegenwart und sogar in unserer Nähe. Möge uns Schuberts Andantino begleiten ins Eigene und zu den andern.» Fred Zaugg, der Bund

«Mit diesem Meisterwerk hat die gedankentiefe und bildmächtige Erzählkunst Ceylans, seit 1995 ein Dauergast am Filmfestival Cannes, ihren bisherigen Höhepunkt erreicht (...) Die von Tschechow inspirierte hohe Dialogkunst paart sich in «Winter Sleep» mit der ureigenen grandiosen Bildsprache des als Fotograf geschulten Ceylan. Beeindruckende Landschaftspanoramen und die – mitunter unbehagliche – Intimität geschlossener Räume, welche oft eine trügerische Wärme ausstrahlen, prägten bereits seine letzten beiden Werke.»
Susanne Ostwald, NZZ

«L'hôtel Othello, théâtre de la vie»
Le Monde



«Mit seinem majestätischen Drei-Stunden-Drama "Winter Sleep" bestätigt Nuri Bilge Ceylan seinen Ruf als Meister des subtilen Sittenbilds seiner türkischen Heimat. - Tschechow hat Ceylan als eine Inspirationsquelle für "Winter Sleep" genannt. Mehr noch spürt man aber den Einfluss von Shakespeare, der selbst in einer Schlüsselszene rezitiert wird, denn Aydin hat eine tragikomische Grösse, wie man sie aus Shakespeares Königsdramen kennt.»
Hannah Pilarczyk, Der Spiegel



«Le film le plus long de l’édition 2014 est aussi le plus beau: «Winter Sleep» remporte la Palme d’or.»
Le Temps

«Winter Sleep, film magnifique qui confirme le réalisateur turc dans son statut de grand auteur de cinéma. Winter Sleep est un film long (3 h 16), qui procède par conversations successives entre les différents protagonistes ; c'est un film qui se déploie dans la durée, et qui vaut tant par sa construction formelle remarquablement maîtrisée que par son propos, moral et philosophique.»
Le Monde


«Le film est un huis clos choral disséminé entre une douzaine de personnages, chacun servant de révélateur des contradictions et vanités de la comédie humaine. Dans sa forme, expression d’un certain classicisme très littéraire, toute de dialogues brillants et acérés qui louchent vers Tchekov et Bergman.»
Libération


«Jedes Wort in den langen Dialogszenen stimmt. Die Dramaturgie stimmt. Und das ausbalancierte Wechselspiel zwischen Innen und Außen. So zeichnet der ruhige Film ein kritisches Bild der türkischen Intellektuellen, die viel reden, aber doch nichts ändern an den Zuständen um sie herum. 

Der Regisseur Nuri Bilge Ceylan hat seinen Preis allen Menschen in der Türkei gewidmet, die sich aktiv für Veränderungen in ihrer Heimat einsetzen. Vor allem denen, die dieser Einsatz bereits das Leben gekostet hat.»
Die Zeit


«Difficile de suffisamment vanter la beauté des dialogues et de la mise en scène du film, d’un niveau exceptionnel dans le cinéma contemporain. On n’a pas employé le mot «chef-d’œuvre» mais on n’en pense pas moins.»
arte, Olivier Père

«C'est un film qui vaut tant par sa construction formelle remarquablement maîtrisée que par son propos, moral et philosophique
 Le Monde.

«Remise en cause d'un acteur à la retraite régnant comme un petit pape sur l'immense domaine rural dans lequel il s'est replié, Winter Sleep s'inspire notamment de Bergman et de Tarkovski. Durée colossale (3h16), rigueur formelle incontestable, ancrage théâtral : la Palme d'or 2014 couronne le cinéma d'auteur traditionnel dans toute sa splendeur.»
Le Nouvel Observateur

«Au troisième jour du festival, Winter Sleep s’est imposé comme une évidente Palme d’or. Le film-fleuve (3h16) de Nuri Bilge Ceylan prend le temps de dire le temps qui passe, l’hiver qui vient, la glaciation des sentiments. Avec une maîtrise formelle impressionnante et une irréprochable rigueur morale, le cinéaste turc mène une méditation existentielle centrée sur un ancien comédien, qu’un héritage a rendu riche et propriétaire d’un hôtel troglodyte pittoresque en Anatolie.»
Le Temps


«Nuri Bilge Ceylan is at the peak of his powers with WINTER SLEEP, a richly engrossing and ravishingly beautiful magnum opus that surely qualifies as the least boring 196-minute movie ever made.»
Variety



«One of the more rewarding film achievements of the year. Ceylan’s cast performs with such precision and feeling that even Bergman would have applauded.»
Screen International



«Mesmerizing, superbly acted. Nuri Bilge Ceylan's WINTER SLEEP is three hours-plus and worth the trip.»
Indiewire



«WINTER SLEEP has a timeless quality but is also deeply political.»
The New York Time



«The esoteric world of masterful Turkish filmmaker Nuri Bilge Ceylan proves as vibrant as ever in WINTER SLEEP, a Chekhovian meditation on a marriage that returns to the mood of the director's early films.»
The Hollywood Reporter



«Putin, Merkel, Erdogan, das solltet ihr sehen!»
Andreas Borcholte, Der Spiegel



Die Goldene Palme widmete Nuri Bilge Ceylan der türkischen Jugend und den Opfern der aktuellen AKP-Politik.


Nuri Bilge Ceylan a dédié son trophée à «la jeunesse de Turquie, et à ceux d'entre eux qui sont morts au cours de l'année passée» pendant les manifestations contre le gouvernement de l'AKP.

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