Djomeh est le nom d'un jeune immigré, un de ces nombreux Afghans venus chercher du travail en Iran. Il est ouvrier agricole dans la ferme de Mahmoud, sous les ordres de son compatriote plus âgé, Habib. On voit d'abord les lieux - la ferme, la campagne, le trajet pour aller au village assez éloigné où Djomeh accompagne son patron collecter le lait qu'il revendra. Puis on observe les rapports sociaux, la hiérarchie entre les trois hommes, qui vivent seuls à la ferme, le racisme plus ou moins diffus des villageois à l'encontre des étrangers. Dans l'économie narrative typique du cinéma iranien contemporain, on assiste à toute la mise en place d'un film en forme de chronique sociale. Ce film-là serait, par l'élégante simplicité des cadrages, la rigueur attentive de la durée des plans, le sens de l'espace et le respect des corps en attestent, un bon film.

Titre original Djomeh
Titre allemand Djomeh
Titre français Djomeh
Autres titres Djomeh
Réalisation Hassan Yektapanah
Pays Iran
Formats 35mm
Scénario Hassan Yekpatanah
Montage Hassan Yektapanah
Image Ali Loghmani
Son Changiz Sayad
Production Ahmad Moussazahdeh
Durée 94 Min.
Langue Farsi/d/f
Acteurs
Jalil Nazari Djomeh
Mahmoud Bezhraznia Mahmoud
Rashid Akbari Habib
Mahbobeh Khalili
Ehsan Daryabari
Valiollah Beta
Distinctions

Camera d'Or bester Erstling Cannes 2000

Wochenzeitung, 2001-10-11



Ein Afghane im iranischen Exil



Reto Baumann



Let's face it», schrieb der Filmkritiker und -historiker Andrew Sarris diesen 10. September im «New York Observer» vollmundig, einen Tag vor den Anschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon, «die Zensur im Iran ist so rigoros, als wäre die in den dreissiger Jahren von katholischen Kreisen gegründete 'legion of decency' die amerikanische bürgerliche Freiheitsunion». Let's face it: In diesem Satz schwingt ein unangenehmer Unterton mit. Sarris billigt den iranischen Filmemachern zu, aus der Not eine Tugend gemacht zu haben; argumentiert dabei allerdings vom hohen Ross der USA herab: Weil sich iranische Filmemacher keine Spezialeffekte und kein digitales Spektakel leisten könnten, seien sie zu den Wurzeln des Kinos zurückgekehrt und hätten sich dem «gewöhnlichen Leben ihrer Leute» zugewandt. Und: «Das Resultat ist ein gewisser Exotizismus.» Wenngleich Sarris' Interesse an der islamischen Welt in den vergangenen Wochen zugenommen haben dürfte, so wird sie für ihn wohl noch immer erst mal bloss jene «rückständige» Welt meinen, die Männern wie Frauen «unüberwindbare Hemmungen» auferlege, wie er auch schreibt.



Anlass für Sarris' Artikel war Hassan Yektapanahs «Djomeh», ein Film, den man mit etwas mehr Sinn für Feinheiten schon vor dem 11. September anders hätte lesen können, der aber durch die jüngsten Ereignisse ungewollt an zusätzlicher politischer Brisanz gewonnen hat. Denn wie in anderen aktuellen iranischen Werken - «Baran» von Majid Majidi oder «Delbaran» von Abolfazl Jalili - wird auch in «Djomeh» die Situation afghanischer Flüchtlinge thematisiert. 1,2 Millionen Afghanen leben im Iran offiziell in Lagern, unzählige weitere klandestin, «sans papiers». Yektapanah spricht von insgesamt fast vier Millionen Afghanen auf iranischem Boden. Das war vor den Anschlägen.



Einer dieser Flüchtlinge ist Jalil Nazari, der in «Djomeh» die gleichnamige Hauptfigur verkörpert. Wenn er im Film als einer von zwei afghanischen Landarbeitern auf einem Bauernhof in der kargen, bergigen Grenzregion für den Molkereibesitzer Agha Mahmoud arbeitet, so spielt er gewissermassen auch sich selbst - nämlich den Flüchtling, der sich zu integrieren versucht, der aber seinen Status als Aussenseiter tagtäglich auf der Milchtour zu spüren bekommt: Mal wird er beim Wägen der Milch hintergangen, dann wieder spielen ihm die Kinder Streiche am Laufmeter. Am schmerzvollsten aber sind die dauernden Heiratsfeste im Dorf: Bei jedem Besuch ist er mit einem solchen konfrontiert. Wenn er also seinen Boss bittet, beim Ladenbesitzer des Ortes für ihn um die Hand dessen Tochter anzuhalten, so spiegelt sich darin nicht nur Leidenschaft oder Verpflichtung der Tradition gegenüber - in Afghanistan wird, sagt er, schief angeschaut, wer bis zwanzig nicht geehelicht hat, sondern ebenso sein Verlangen nach Zugehörigkeit.



Vor dem Hintergrund alltäglicher Routine entfaltet «Djomeh» unspektakulär ein Bild ethnografischer Qualität, Schattierungen von Drama wie Komödie inbegriffen. Herzstück sind dabei die Über-Land-Autofahrten von Djomeh und seinem Chef, wobei der Führerstand als eine Art Druckkammer funktioniert, so ähnlich wie dies in «Geschmack der Kirsche» von Yektapanahs Mentor und Lehrer Abbas Kiarostami der Fall war. Die Enge intensiviert Beziehungen, und so wie beiläufig der Hintergrund dem Innenleben des jeweiligen Protagonisten zugeordnet ist - hinter dem verliebten Djomeh grünt es in der Landschaft, während hinter dem mittelalten Junggesellen Mahmoud nur Wüste zu sehen ist -, nähern sich die beiden nicht nur dem andern, sondern auch sich selbst. Dass der Afghane Sunnite und der Iraner Schiite ist, spielt keine Rolle, ebenso wenig der potenzielle Generationenkonflikt.



Die Schwierigkeit des Exils, erlebbar gemacht anhand eines Stücks Strasse im Ödland. Die Ereignislosigkeit der Landschaft findet in der statischen Kamera und der seriellen Montage stilistisch ihre Entsprechung, zwischenzeitlich sind die Bilder tableauhaft, beinahe gemalt. Lange Einstellungen, ein betont dokumentarischer Touch, ökonomische Schnitte und eine fast verleugnete Kamera. Der Film soll dem Alltag möglichst gleichen. Durch Stimmen und Gesten wird permanent auf ein Aussen verwiesen; die Welt ist immer grösser als die, die wir als Alltag sehen. Dahinter spürbar ist die Erfahrung des Krieges. Denn mit Krieg hat der iranische Neorealismus mindestens so viel zu tun wie mit Zensur. Als der Iran-Irak-Konflikt 1980 begonnen hatte, gingen unzählige Junge an die Front, auch Yektapanah, allerdings nicht als Soldat, sondern als Fotograf. Seine Bilder hat er bis heute nicht veröffentlicht. Die Formensprache des iranischen Neorealismus mag inzwischen epigonal erscheinen, angesichts der westlichen Verrenkungen bezüglich des Islambilds wirkt sie aber sachlich und nüchtern. «Djomeh» macht hier keine Ausnahme. Die letzten Einstellungen wirken wie gut gewählte Schlusssätze, die der erzählten Geschichte unvermittelt zusätzliche Tiefe und Komplexität verleihen. Das wirkt ganz und gar unexotisch.





Tages-Anzeiger, 2001-10-19



Feinsinnige Fussnote



SELTEN IST EIN SPIELFILM AUF SO VIEL POLITISCHE AKTUALITÄT GESTOSSEN. HASSAN YEKTAPANAH NOTIERT LIEBESGESPRÄCHE AUS DEM AFGHANISCH-IRANISCHEN GRENZGEBIET.



Von Nicole Hess



Wahrscheinlich hätte man «Djomeh» vor dem 11. September anders gelesen, als man das heute tut. Angsichts der Attacken auf das World Trade Center und der aktuellen Vergeltungsschläge der USA fällt die Unterscheidung zwischen der fiktiven Geschichte, die der 38-jährige Hassan Yektapanah aus dem afghanisch-iranischen Grenzgebiet präsentiert, und dem Wissen um die reale Bedrohungssituation schwer. Unwillkürlich sucht man in den Bildern nach Zeichen und Erklärungen; man will die Landschaft spüren, die Menschen verstehen - und erfährt tatsächlich ungeheuer viel.



Denn anders als Samira Makhmalbaf oder Jafar Panahi, die mit ihren Spielfilmen regelmässig Kritik am repressiven iranischen Regime anbringen - oft steht die Unterdrückung der Frauen im Mittelpunkt -, weitet Yektapanah den Blick über die geografischen Grenzen hinaus. Sein Debütfilm «Djomeh» erzählt von einem afghanischen Flüchtlingsjungen, der im Iran als Milchbauer arbeitet. Der Alltag ist eintönig und karg, doch auf den täglichen Fahrten vom Hof zum Markt kommt der Jugendliche mit seinem Chef ins Gespräch. Liebenswürdig, aber ebenso hartnäckig, bohrt er nach kulturellen Differenzen. Dass man in Afghanistan sehr jung heiratet und im Iran verhältnismässig spät, ist eine davon. Im entscheidenden Moment wird Djomeh sagen: «Ich bin auch ein Muslim, nur anders.» Eine treffendere Fussnote zur Weltgeschichte kann man sich derzeit kaum vorstellen.



Allerdings würde man diesen Film kaum so bedingungslos empfehlen, wenn neben der politischen Aktualität nicht auch eine äusserst sorgfältige Filmsprache vorläge. Yektapanah war bei Abbas Kiarostami («Der Geschmack der Kirsche») in der Schule. Das sollte einem spätestens dann in den Sinn kommen, wenn hinter den klaren, statischen Halbtotalen, die Menschen, Lehmhäuser und Hügel einfangen, die Kamera in Vergessenheit gerät. «Djomeh» ist die Geschichte einer Annäherung. Einer liebenden - indem der Junge, nach vielen unnützen Einkäufen, um die Hand der Krämerstochter im Tschador anhält - und einer freundschaftlichen zwischen den beiden Männern. Der Film hält Distanz zu den Figuren und ist ihnen gerade dadurch nah; er baut auf stilistische Schlichtheit und funkelt umso mehr in jenen Szenen, in denen er mit dramaturgischen Aperçus überrascht. Die Feinsinnigkeit dieser Erzählweise hat man schon vor dem 11. September erkannt: «Djomeh» ist letztes Jahr in Cannes mit der «Caméra d'or» für den besten Erstling ausgezeichnet worden.

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