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El Rey de San GregorioCritiques
<< Retourner«Der chilenische Dokumentarfilmer Alfonso Gazitúa Gaete geht in seinem Spielfilmdebüt von Erfahrungen aus, die er selber als Theaterpädagoge mit behinderten Menschen in San Gregorio gemacht hat, insbesondere von der Geschichte Pedros, der sich auch gleich selber spielt. Diese Nähe verleiht dem Film zwar Authentizität.» Tages-Anzeiger, Reto Bühler GESPRÄCH MIT ALFONSO GAZITÚA GAETE Wie haben Sie Pedro Vargas kennengelernt? Was haben Sie für eine Beziehung zu ihm? Ich habe Pedro am 1. August 1994 im Rahmen einer katholischen Mission kennengelernt, wo wir eine Gruppe von Menschen mit Behinderung begleiteten. Er war der fröhlichste und herzlichste von allen und erlebte gerade eine wunderschöne Liebesgeschichte mit einem Mädchen der Gruppe, die Eli hiess. Sein Leben, sein Charisma, seine Liebe zu ihr, die Mühe der Eltern, diese Liebe zu akzeptieren und ihr Bedürfnis zusammenzusein berührten mich und brachten mich ihm näher. Seither verbindet mich eine tiefe Freundschaft mit ihm. Wie hat er reagiert, als er erfuhr, dass Sie einen Film drehen würden, der auf seiner Lebensgeschichte beruht? War er sofort bereit, mitzumachen? Jedes Mal, wenn ich Pedro von meiner Absicht erzählte, einen Dokumentarfilm über sein Leben zu machen, glänzten seine Augen, er war begeistert. Später, als die Idee Gestalt annahm, sich Fiktives mit Dokumentarischem zu vermischen begann und der Drehstart in die Nähe rückte, fragte mich Pedro hartnäckig, wann wir denn endlich beginnen würden. Der Gedanke, dass er selbst sein Leben darstellen würde, machte ihn zwar auch sehr nervös. Als er mit der Frau Bekanntschaft machte, die Eli interpretierte, verliebte er sich in sie, und das spürt man im Film. War es schwierig, mit LaiendarstellerInnen zu arbeiten, die zudem mit einem Handicap leben? Meine Grundidee war, Pedro als Hauptdarsteller zu haben. Danach würden seine und meine Wahrheit einfliessen. Ich brauchte Echtheit und Natürlichkeit – und das konnte mir nur Pedro garantieren. Die grosse Schwierigkeit war, dass er aufgrund seiner Behinderung die Texte nicht auswendig lernen und auch keine Informationen behalten konnte. Aber nach zehn Jahren Freundschaft wusste ich, was möglich war und was nicht. Wir haben mit seinen Erinnerungen, seinem emotionalen Gedächtnis gearbeitet. Jede Szene wurde vorbesprochen, mit seinem natürlichen Talent gab er dann das selbst Erlebte wieder, während ich nur den Ton präzisierte. Pedro war zwar skeptisch - er hatte Angst, man würde sich über ihn lustig machen -, vertraute mir aber auch. Ich wusste, dass sein Charisma und diese Echtheit ihm eine gewisse Sicherheit geben würden, aber es war auch wichtig, ihn rücksichtsvoll und sanft zu führen, weil er sehr sensibel ist. El Rey de San Gregorio ist Ihr erster Spielfilm, war es schwierig, ihn zu realisieren? Ja, zuvor hatte ich drei Kurzfilme und einige Dokumentarfilme über Menschen gedreht, die sich am Rande der Gesellschaft bewegen, über Alte, Schüler und Kinder, die auf der Strasse leben. Mein erster Spielfilm sollte diese Anliegen aufnehmen, dazu aber noch eine Liebesgeschichte erzählen. Den Drehplan zu koordinieren war aufgrund der Verfügbarkeit und des Gesundheitszustandes der Behinderten nicht einfach. Man musste sie beispielsweise immer abholen, zum Teil mit Begleitpersonen, Krankheiten mussten möglichst vermieden werden, ihre Rollstühle mussten im Wagen Platz finden etc. Im Allgemeinen konnten wir aber immer auf die Unterstützung ihrer Familien zählen. In der zweiten Drehwoche wurden wir ausgeraubt, unsere Mobilitelefone und ein Fotoapparat waren verschwunden. Am folgenden Tag verlangte man 3000 Dollar Lösegeld für die geklaute Ausrüstung. Zwei Tage später standen in San Gregorio an jeder Ecke Polizisten. Aber das hat uns nicht beeindruckt, die Motivation war grösser als dieser armselige Einschüch- terungsversuch. Schon in Ihren Kurzfilmen gehen sie heikle Themen an, die eine gewisse Realität in Ihrem Land aufzeigen. Warum dieses Engagement? Mich interessieren nur Geschichten von grosser Menschlichkeit, Realität und Echtheit. Umso besser, wenn sie von Liebe handeln. Die Liebe ist mein Leitmotiv. Sei es die Liebe zwischen zwei Menschen mit Behinderung wie hier oder die eines Paares, das ihren Sohn verliert, sich daraufhin trennt und 10 Jahre später wiederfindet, das Thema von Cuasimodo, meinem zweiten Spielfilmprojekt. Wie ist die Situation für Menschen mit Behinderung in Chile? Das Bewusstsein gegenüber handicapierten Menschen hat in Chile zugenommen, aber es genügt noch nicht, insbesondere bezüglich Infrastruktur, Eingliederung und Sexualität sind Schritte nötig. Es gibt in Chile sehr wenige Behinderte, die heiraten und Kinder haben. Das Thema ist halb tabu und auf nationaler Ebene kaum präsent. Die politische Unterstützung von Initiativen, die zum Beispiel Fragen der Sexualität oder echte soziale Integration angehen, fehlt. Es ist schlicht keine Thema in meinem Land. Welche Reaktionen erhoffen Sie sich auf den Film? Zuallererst möchte ich die Menschen berühren, dass eine Empathie entsteht mit der Geschichte, mit Petro und Eli, mit ihrer Unschuld, mit ihrer unschuldigen und wahren Liebe. Die Menschen sollen aber auch der Situation von San Gregorio gewahr werden, wo nicht nur Verbrecher und Drogenhändler leben, sondern auch Menschen mit Würde wie Pedro, Eli und ihre Freunde. |
