Casa de areia - The House of Sand

Film

Casa de areia - The House of Sand

Drei Frauen - Grossmutter, Mutter und Tochter - stehen im Mittelpunkt dieser wunderbaren brasilianischen Frauensaga, die sich über einen Zeitraum von 59 Jahren erstreckt. 1910 gelangen Dona Áurea und ihre Mutter Maria nach Maranhão, an einen gottverlassenen Flecken inmitten einer Sandwüste im Norden Brasiliens. Áureas Ehemann Vasco hängt dem verrückten Glauben an, er könne das trostlose Land fruchtbar machen. Als er ums Leben kommt, ist Áurea schwanger; mit ihrer Mutter und der Neugeborenen, die den Namen Maria erhält, lebt sie fortan allein in dem Haus auf der Düne. Zum einzigen Vertrauten wird Massu, der in einer nahen Siedlung fortgelaufener Sklaven lebt. Von ihm lernen sie, durch Tausch und Handel ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Ihre Hoffnung, die Gegend verlassen zu können, bleibt unerfüllt. Trost findet Áurea in den Armen des Leutnants Luiz, der hier eine Sonnenfinsternis beobachten kommt, während Maria von der Musik träumt.

Mit "Eu, tu, eles" hat der Brasilianer Andrucha Waddington vor drei Jahren von sich reden gemacht und das Publikum auch bei uns begeistert. In seinem neuen Film "The House of Sand" (Casa de Areia) prägt erneut die Landschaft die Menschen und das Dasein, dreht sich das Geschehen um Frauenfiguren. Und eine Hauptrolle spielt die Wüstenlandschaft im hohen Norden Brasiliens, in die hinein die Handlung über Sein und Zeit choreografiert ist. Atemberaubend sind die Bilder dieser Gegend, meditativ die Reise durch ein Jahrhundert am Rand der zivilisierten Welt.

Es sind nur wenige Einstellungen in grandiosem Cinemascope, die Andrucha Waddington benötigt, um uns einzunehmen für einen Ort, an den er uns entführen will und an dem kaum jemand von uns sein Leben fristen möchte. So faszinierend die Landschaft ist, so abseitig ist sie auch. Diese Landschaft ist eine Bühne, auf der er seine Geschichte inszenieren wollte, eine Geschichte mit archaischen Zügen, eine Geschichte, in der es ums Lebendige geht, um das, was uns allen bleibt, wenn es nichts mehr gibt ausser unseren Körper, die Landschaft und: die Zeit.

Es gibt andere Wüstenfilme wie David Leans "Lawrence of Arabia", die die Pracht der Leinwandbreite nutzten, um von der Unendlichkeit zu erzählen. Hier kommt dazu, dass Waddington es versteht, die Figuren einerseits in dieser Landschaft verloren zu Nichtsen werden zu lassen und ihnen gleichzeitig in den nahen Einstellungen so nah zu kommen, dass ihre Gesichter spiegeln können, was die Wüste in ihnen auslöst und bewegt. Eine Kraft des Filmes besteht darin, dass er uns die Endlichkeit in dieser Unendlichkeit spürbar macht, fassbarer werden lässt über das Bild, das er davon schafft. «Ich will mit meiner Tochter weg von hier», erklärt die Mutter dem ehemaligen Sklaven Massu, der diesen Traum schon lange aufgegeben hat und froh ist, nicht dort zu sein, wo es die Mutter wieder hinzieht. Für jeden ist das Hier und Anderswo etwas anderes. Sie will wissen, ob da jemals jemand vorbeikomme? «Hier kommt keiner an», meint Massu lakonisch, «und hier geht keiner weg.»

Wer heute einen Film dreht, hat andere Filme gesehen. Eine unübersehbare Referenz, die Andrucha Waddington selber auch nennt, ist der japanische Spielfilm "Suna no onna" (Die Frau in den Dünen) von Hiroshi Teshigahara aus den frühen sechziger Jahren, gedreht nach dem gleichnamigen Roman von Kôbô Abe. Dort findet sich ein Insekten sammelnder Mann in einem Haus bei einer mitten in den Dünen allein lebenden Frau wieder. Und es beginnt ein Ringen um die Frage: Gibt es einen Ausweg aus dieser Existenz?

Walter Ruggle

Originaltitel Casa de areia - The House of Sand
Deutscher Titel The House of Sand
Französischer Titel La maison de sable
Andere Titel The House of Sand
RegisseurIn Andrucha Waddington
Land Brasilien
Kinoformate 35mm, DVD
Drehbuch Elena Soárez, Andrucha Waddington. Idee: Luiz Carlos Barreto
Montage Sérgio Mekler
Musik Carlo Bartolini, João Barone
Kamera Ricardo Della Rosa
Ton Jorge Saldanha
Ausstattung Tulé Peake
Kostüme Claudia Kopke
Produktion Conspiração Filmes, Rio
Länge 116 Min.
Sprache Portugiesisch/d/f
SchauspielerInnen
Fernanda Montenegro Donna Maria
Fernanda Torres Áurea
Ruy Guerra Vasco de Sá
Seu Jorge Massu - 1910-1919
Sténio Garcia Luiz - 1942
Luiz Melodia Massu - 1942
Enrique Díaz Luiz - 1919
Emiliano Queiroz Chico do Sal
João Acaiabe Pai de Massu
Camilla Facundes Maria - 1919
Auszeichnungen

Winner Best Actress Award Guadalajara/Mexico
Alfred P. Sloan Feature Film Prize, Sundance
World Cinema, Toronto
Panorama, Berlin

«Hundert Jahre Einsamkeit wäre auch ein Titel gewesen, wenn er nicht schon vergeben wäre.»

P.S. Zürich



»Atemberaubend»

Züritipp



«Grosses, unvergessliches Kino.»

Biel/Bienne



«Grandios in Komposition und Anspruch.»

NZZ am Sonntag



«Bildgewaltig, wortkarg, existenzialistisch.»

Mybasel



«Die Lust am Cinemascope-Format beschert uns einen opulenten Augenschmaus - streicht aber gleichzeitig die existenzialistische Dimension der Handlung heraus.»

NZZ



«Ausserordentlich . . . sengend schön. »

Folha de São Paulo



«Das Resultat ist faszinierend und mehr als nur vitales Erzählkino mit bestechend schön fotografierten Bildern: eine bewegende Meditation über Körper, Landschaft, den Fluss der Zeit und das Leben im Ausnahmezustand als Alltag.»

Der Bund, Bern



«So tritt Waddington zum zweiten Mal in Folge den Beweis an, dass das aktuelle brasilianische Kino einen eigenen filmischen Ausdruck findet und dabei erfrischend und intelligent zu unterhalten vermag.»

Basler Zeitung



«Diese atemberaubend schöne Ecke der Welt ist gleichzeitig Paradies und Hölle, und man wischt sich beim Verlassen des Kinos den Sand von den Kleidern.»

Radio DRS 2



«Was für ein Film, welch epische Bilder. Das ist wohl der beste brasilianische Film seit Jahren. »

O Globo, Rio de Janeiro



«Es gibt Filme von schlicht unvergesslicher Bildlichkeit. Eines dieser Kleinode ist «The House of Sand», eine 59 Jahre umspannende Familiensaga des Brasilianers Andrucha Waddington ... Es ist viel mehr die phantastische Kamera von Ricardo Della Rosa, der - mal hautnah dran am Geschehen, dann wieder sich in der glimmernden Weite der Wüste verlierend - dem Film eine betörende Bildlichkeit verleiht. Und es ist das intensive Spiel der die Rollen von Oma, Mutter und Tochter unter sich aufteilenden Schauspielerinnen Fernanda Montenegro und Fernanda Torres, die auch im wirklichen Leben Mutter und Tochter sind.»

Independent Pictures, Irene Genhart



«Gekonnt photographiert Waddington die Wüste im Cinemascope-Format als grandios-archaische Landschaft, als Ort ausserhalb aller Orte, an dem nichts anderes mehr zu existieren scheint, als der stetige Lauf des Sandes und der Zeit.»

Cineman



«The House of Sand ist der persönlich-ste und mutigste Film von Andrucha Waddington. Im unvergleichlichen Schicksal der Frauen steckt die Atmos-phäre von Gabriel García Márquez drin.»

José Geraldo Couto





Time Out, London (Geoff Andrew):

"The two Fernanda’s, each playing, as the film proceeds through the decades, more than one character, play their roles with sensitivity, skill and considerable charisma."



Film Threat (Michael Ferraro):

"A massivelybeautiful epic."



Newsday (Jan Stuart):

"A shimmering masterwork... profoundly moving... 'The House of Sand' succeeds magnificently"



LA Times (Carina Chocano):

“Exquisitely beautiful film…screenwriter Elena Soárez weaves a lyrical narrative about isolation and time that recalls great space allegories such as 2001: A SPACE ODYSSEY and THE LITTLE PRINCE… Torres gives a touching, remarkable performance as a passionate and willful young woman lost in space and cut off from time, and as Doña Maria and the older Áurea, Montenegro gives wonderful portrayals of the aftermath of their choice to adapt and survive when it becomes clear to her that the world has passed them by. Heartbreaking and strange, "House of Sand" is as original as it is lovely.”





New York Times (A.O. Scott):

“Lovely film… The story that links these moments has the clarity of a fable and the sentimental enchantment of a magic-realist novel. Mr. Waddington, who brilliantly evoked the dry, brown Brazilian backlands in ME YOU THEM, brings out the psychological nuances of the story (the script is by Elena Soárez) even as he respects its bold, primal emotions and the almost classical dignity of the main characters”





Newsday (John Anderson):

“If David Lean and William Faulkner had ever collaborated, and brought in Henry Moore to do set design, HOUSE OF SAND might have been their troubling brainchild. An exercise in Brazilian existential anxiety, the film does for sand what DAS BOOT did for water, and ATANARJUAT (THE FAST RUNNER) did for ice, presenting human beings as all but irreconcilable to either the natural world or themselves... grand, fatalistic and visually stunning. HOUSE OF SAND is fascinating, compelling and most of all seductive, its inhabitants caught in a no-man's land between sand, sky and sea, and unable to look at any of it for what it is.”





New York Post (V.A. Musetto):

“Ricardo Della Rosa's sumptuous, wide-screen cinematography takes full advantage of the sandy vista, complementing beautiful acting by Montenegro and Torres.”

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