Un soir après la guerre

von Rithy Panh, Kambodscha, 1998
Bild von
DVD
Kambodscha ist während Jahren in den Schlagzeilen unserer Medien aufgetaucht: Krieg zunächst, Vernichtungslager später und das Terrorregime einer Guerillaorganisation. In letzter Zeit ist es ruhiger geworden im Nachbarland zu Vietnam. Seit 1993 entwickelt sich zaghaft eine Demokratie. Die Rote Khmer unter Pol Pot hat aufgegeben, der Führer ist tot. Vor dem Hintergrund des endlich erlangten Friedens siedelt der kambodschanische Regisseur Rithy Panh («Les gens de la rizière») seinen zweiten Spielfilm an. «Un soir après la guerre», der Titel sagt es bereits, blickt auf die Zeit nach dem Krieg, auf jene fragile Phase, in der die Menschen mit einem gewöhnlichen Alltag umgehen lernen und gleichzeitig das Gewesene verarbeiten müssen. Savannah ist 28 Jahre jung, als er nach Phnom Penh zurückkehrt. Vier Jahre lang hat er gegen die Roten Khmer gekämpft, im ganzen Leben nie etwas anderes als Krieg in seinem Land gesehen. In der Hauptstadt lernt er Srey Poeuv kennen, eine junge Frau, die von ihrer Familie an einen Zuhälter verkauft worden war, als es ums nackte Überleben ging. Savannah möchte mit Srey zusammen leben, doch die Umstände machen dies nicht einfach. Sie ist 19-jährig und stellt fest, dass ihr nichts gehört, «nicht einmal die Liebe.»

Hat sich Rithy Panh in seinem Erstling der Familie und dem Leben auf dem Land gewidmet, so betrachtet er hier die Stadt und die Beziehungen zwischen den Menschen, die da leben. Der Film ist von der jungen Frau aus dem Heute heraus in grossen Rückblenden ins Jahr 1992 erzählt. Sie musste ihre Liebe verlieren, um zu sich zu finden. Lachen und Weinen sind in dieser Geschichte keinen Atemzug voneinander getrennt. «Warum weinst Du?» fragt der Mann seine Liebste. «Ich bin glücklich», antwortet sie ihm. Savannah und Srey möchten im Prinzip nur eines: Die Menschenwürde wieder erlangen. Und Rithy Panh führt uns vor Augen, wie schwierig dies nach all den Jahren von Krieg und Terror geworden ist, in einem wunderschönen Land, in dem die Menschen sich mehr an den Tod als an das Leben gewöhnt haben.

Walter Ruggle
artwork

Credits

Originaltitel
Un soir après la guerre
Titel
Un soir après la guerre
Regie
Rithy Panh
Land
Kambodscha
Jahr
1998
Drehbuch
Rithy Panh, Eve Deboise
Montage
Marie-Christine Rougerie
Musik
Marc Marder
Kamera
Christophe Pollock
Ton
Eric Vaucher, Gérard Lamps
Produktion
JBA Productions, Paris; Thelma Film AG, Zürich; La Sept-Cinéma, Paris
Formate
35mm, DVD
Länge
113 Min.
Sprache
Khmer, Französisch/d/f oder i
Schauspieler:innen
Chan Chea Lyda (Srey Poeuv), Roeun Narith (Savannah), Keo Ratha (Maly), Kheav Sra Ngath (Stummer Junge), Mol Sovannak (Phâl), Var Simorn (Nalin), Kak Bun (Son), YanPeng Phan (Srey Poeuvs Mutter)

Pro Material

artwork artwork artwork

Möchten Sie diesen Film zeigen?

Bitte füllen Sie unser Formular aus.

Vorführdatum Vorführung
Veranstalter/Veranstalterin