The Invisible Life of Eurídice Gusmão

Film

The Invisible Life of Eurídice Gusmão

Karim AïnouzBrasilien – 2019
TRAILER

Karim Aïnouz erzählt in seinem unwiderstehlichen tropischen Melodram die Geschichte zweier Schwestern, die einander innig lieben, deren Leben durch patriarchale Strukturen aber auseinandergerissen werden. Er setzt an in Rio um 1950, wo Eurídice und Guida als lebensfrohe junge Frauen aufwachsen und sich nicht mit der Bestimmung abfinden wollen, dass Frauen im Versteckten ihrer Arbeit im Haushalt nachkommen sollen.

Lust auf ein bewegend schönes Stück episches Kino und auf die Zeitreise zweier Frauen? Darüber hinaus auf einen Ausflug nach Rio de Janeiro? Der Roman von Martha Batalha, deutsch erschienen unter dem Titel «Die vielen Talente der Schwestern Gusmão», wurde von Karim Aïnouz (Madame Satã) aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts für den Film in die 50er Jahre und damit näher an unsere Gegenwart heranholt, in der die Handlung mündet. Was bereits der Buchautorin gelang, schafft der Film mit der zusätzlichen visuellen Ebene: Wir tauchen ein in den Mikrokosmos einer Familie, in der jugendliche weibliche Entdeckungslust und schiere Lebensfreude auf den Widerstand eines traditionellen Familienbildes stossen, auf die männliche Idee, dass Frauen den Haushalt betreuen sollen und Männer diktieren, was sie zu tun und was zu lassen haben.

Zwei jugendliche Frauen haben einen Traum. Eurídice spielt liebend gern und gut Klavier; sie will Pianistin werden und in der weiten Welt auftreten. Guida hört ihr zu und sucht selber die wahre Liebe in wechselnden Beziehungen. Sie verfällt dem Charme eines griechischen Matrosen, der sie mit aufs Schiff nimmt und ihr die Glückseligkeit in Europa verspricht. Die Wirklichkeit erweist sich als eine andere, und als Guida schwanger heimkehrt, stösst der Vater sie aus, trennt seine beiden Töchter, ohne dass die eine von der anderen weiss, wo sie steckt. Karim Aïnouz hat einen ungemein sinnlichen Film mit zwei starken Frauenfiguren gestaltet und erzählt von ihrer Leidenschaft wie ihrer Trennung zutiefst berührend. Es ist ein Blick rückwärts, um von der Gegenwart zu erzählen und anzudeuten, dass die Gesellschaft auf dem Weg zu einem Menschenbild Fortschritte gemacht hat, aber in Sachen Rolle von Mann und Frau nach wie vor ein grosses Entwicklungspotenzial aufweist.

Walter Ruggle

Weitere Artikel: Preisregen in Cannes

ATLANTIQUE, EURIDICE GUSMAO und NUESTRAS MADRES in Cannes ausgezeichnet

Weiter

Originaltitel The Invisible Life of Eurídice Gusmão
Deutscher Titel Das unsichtbare Leben der Eurídice Gusmão
Französischer Titel La vie invisible d'Eurídice Gusmão
Andere Titel La vita invisibile d'Eurídice Gusmão - A vida invisível de Eurídice Gusmão
RegisseurIn Karim Aïnouz
Land Brasilien
Kinoformate Blu-ray, DCP
Drehbuch Murilo Hauser, Inés Bortagaray, Karim Aïnouz - based on Martha Batalha
Musik Benedikt Schiefer
Kamera Hélène Louvart
Ton Waldir Xavier, Rodrigo Maia Sacic
Ausstattung Rodrigo Martirena
Kostüme Marina Franco
Produktion Rodrigo Teixeira
Länge 139 Min.
Sprache Portugiesisch/d/f oder i
SchauspielerInnen
Fernanda Montenegro Eurídice Gusmão
Carol Duarte Eurídice jovem
Júlia Stockler Guida Gusmão
António Fonseca Manuel
Gregório Duvivier Antenor
Marcio Vito Osvaldo
Cristina Pereira
Maria Manoella
Julia Stockler
Nikolas Antunes Yorgos
Auszeichnungen

Cannes 2019: Prix un certain regard

«Dabei müssten die Leute in einen Film wie den brasilianischen „A vida invisível de Eurídice Gusmão“ von Karim Aïnouz stürmen... ein Film über zwei Schwestern, jede rebellisch auf ihre Weise, die sich in den späten Fünfzigern aus den Augen verlieren. Ein Film, der unsichtbare Biographien sichtbar macht (inspiriert von dem gleichnamigen Roman von Martha Batalha) und überreich ist an sinnlichen Details, Gesten, Tragödien und neuen Heimaten.» Verena Lueken, Frankfurter Allgemeine Zeitung


«Un mélo tropical aux couleurs splendides et saturées et aux émotions tragiques, sensuelles et exacerbées.» Grazia

Flyer (1829 kB)

© COPYRIGHT

Texte sowie sämtliches Bild- und Tonmaterial auf der Homepage der Stiftung trigon-film sind für die Berichterstattung über den jeweiligen Film bzw. zur Bewerbung des entsprechenden Kinostarts bestimmt. Die Materialien stehen unentgeltlich nur für die Berichterstattung über den jeweiligen Film bzw. für dessen Bewerbung zur Verfügung. Jede davon getrennte Nutzung ist im Sinne des Urheberrechts untersagt bezw. muss rechtlich mit trigon-film geklärt werden. Die entgeltliche sowie unentgeltliche Weitergabe an Dritte ist untersagt. Der Copyright Hinweis © trigon-film.org ist obligatorisch. Durch die Nutzung unseres Materials erkennen Sie die Copyright-Bestimmungen an!

Im Kino

  • Baden-Wettingen: ab 19. Dezember
  • Basel: ab 19. Dezember
  • Bern: ab 19. Dezember
  • Luzern: ab 19. Dezember
  • Zürich: ab 19. Dezember