Film

The Apple Day

Mahmoud GhaffariIran – 2022
TRAILER

In Teheran sammelt der junge Saeed die Äpfel, die sein kleiner Bruder Mahdi auf Anweisung der Lehrerin mit in die Schule bringen soll, doch die wertvollen Früchte werden knapp. Der iranische Regisseur Mahmoud Ghaffari nimmt die Anregungen des Neorealismus auf und liefert einen ergreifenden Film auf Kinderhöhe, der ein kompromissloses Porträt seines Landes zeichnet und gleichzeitig die Hoffnung aufrechterhält.

A wie Apfel
Saeed und sein jüngerer Bruder Mahdi leben in Teheran in einem vernachlässigten Vorort mit verwinkelten Strassen im Schatten von im Bau befindlichen Hochhäusern. Ihre Mutter hat die Stadt in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft angepeilt. Sie arbeitet als Wäscherin und trägt mit zu den Lebenskosten bei. Der Vater sehnt sich nach dem früheren Leben auf dem Land in den Bergen zurück und verkauft ab seinem Pickup Äpfel in den Strassen. Unterstützt wird er dabei vom zehnjährigen Saeed.

Mit The Apple Day knüpft Mahmoud Ghaffari an die Tradition des italienischen Neorealismus an. Der iranische Regisseur beginnt seinen Film mit einer Beschreibung der sozialen Umstände und zeigt die Schönheit des Ländlichen im Gegensatz zur Stadt.

Als Mahdi eingeschult wird, will die Lehrerin ein Spiel zum Lernen des Alphabets machen und bittet ihn, einen Korb Äpfel in die Klasse zu bringen, einen Apfel für jedes Schulkind. Wie Majid Majidi in Kinder des Himmels oder Jafar Panahi in Der weisse Ballon geht Mahmoud Ghaffari von einer scheinbar einfachen Geschichte auf Augenhöhe der Kinder aus. Sie handelt von einem Jungen, der losrennt, um Äpfel zu sammeln. Beim Erzählen kommt sein scharfsinniger Blick auf die Realität voll zum Tragen. Mit einem fulminanten Sinn für Ellipsen und dem Einbezug dessen, was sich ausserhalb des Bildrahmens abspielt, seinem Talent im Schneiden und den prägnanten Dialogen schmuggelt der Filmemacher wie nebenbei ein präzises Bild des korrupten, patriarchalen und heimtückischen Systems, das im Iran vorherrscht, in die Welt hinaus. The Apple Day ist einer der würdigsten Erben von Vittorio de Sicas Ladri di biciclette, eine kompromisslose Metapher der iranischen Gesellschaft. Die aussergewöhnlichen Fähigkeiten seiner Figuren vermitteln gleichzeitig Hoffnung.

Originaltitel The Apple Day
Deutscher Titel A wie Apfel
Französischer Titel The Apple Day
Andere Titel Rooz-e sib
RegisseurIn Mahmoud Ghaffari
Land Iran
Kinoformate
Drehbuch Mahmoud Ghaffari, Mahnaz Jarchi
Montage Mahmoud Ghaffari
Musik Ali Mansour
Kamera Ali Ehsani
Ton Alireza Alavian
Ausstattung Mahmoud Ghaffari
Produktion Elaheh Nobakht
Länge 97 Min.
Sprache Farsi/d/f
SchauspielerInnen
Arian Rastkar Saeed
Aria Mohammadzadeh Mahdi
Zhila Shahi Mahboubeh
Khodadad Bakhshizae Morteza
Mahdi Pourmoosa Daryoush
Auszeichnungen

Berlin International Film Festival
Generation Kplus

«In ein Jugend-Abenteuer verpackt, setzt Regisseur Mahmoud Ghaffari in seinem fast neorealistischen Film Nadelstiche gegen die Gesellschaft und die Elite im Iran.» Amnesty International Schweiz, Boris Bögli

«Die versteckten Anspielungen auf das korrupte politische System und die ungeschönte Schilderung der Lebensrealität der iranischen Unterschicht machen den Spielfilm zu einer Gesellschaftskritik im Sinne des Neorealismus. Saeeds Optimismus und seine Entschlossenheit verkörpern die Hoffnung, die nicht nur im Iran auf den Kindern ruht.» Medientipp, Natalie Fritz


«Mit neo-realistischer Poesie und eindrucksvollem Schauspiel zeigt der raue Kinderfilm den verheerenden Einfluss geringfügiger Erschütterungen auf Menschen, deren Existenz ein ständiger finanzieller Balanceakt ist.» Moviebreak

«Mit ihrem Pragmatismus und ihrer Zuversicht ist Saeeds Mutter Mahboubeh die vielleicht stärkste Figur, die alles zusammenhält. Die Familie bewährt sich im Alltag und in der Krise. Deshalb kann der Film ein offenes, dabei optimistisches Ende wagen.» Kinder und Jugend Filmportal, Ulrike Seyffarth


«Mit präzisem Blick auf die alte Diskrepanz zwischen Stadt und Land folgt der Film dem Jungen Saeed durch die Gassen und Strassen einer Vorstadt von Teheran auf der Suche nach einer Lösung.» Kinderfilmblog, Rochus Wolff


«Unaufdringlich inszeniert und natürlich gespielt, niemals so schwerwiegend und drastisch, wie es seine Themen hergeben würden und deswegen auch niemals nur hoffnungslos erdrückend.» Riecks Film Kritiken

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