Innocence of Memories - Orhan Pamuk's Museum and Istanbul

von Grant Gee, TĂĽrkei, 2015
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Eine filmische Lektüre des Romans «Das Museum der Unschuld» legt Grant Gee vor, in deren Verlauf er eintaucht ins Werk des Nobelpreisträgers Orhan Pamuk, sein real existierendes Museum und die Nächte am Bosporus. Eine schöne Seherfahrung.
In seinem grossartigen Roman «Das Museum der Unschuld» erzählt der türkische Nobelpreisträger Orhan Pamuk von einer leidenschaftlichen und unglücklichen Liebe im Istanbul der 1970er Jahre. Kemal, ein junger Mann aus der Oberschicht, verfällt rettungslos der Liebe zu einer ärmeren Verwandten, der blutjungen, naiven und wunderschönen Füsun. Was als Affäre begonnen hat, wächst sich bald zu einer Obsession aus, doch das hindert Kemal nicht daran, die Beziehung mit seiner Verlobten fortzuführen. Nach dem rauschenden Verlobungsfest lässt sich die Geliebte nicht mehr blicken. Verzweifelt erkennt Kemal, dass er Füsun über alles liebt. Doch es ist zu spät.
Orhan Pamuk erzählt in diesem Liebesroman von einer Gesellschaftsschicht der Türkei, die in vielem ganz und gar westlich erscheint und doch traditionelle Züge trägt - ein Kontrast, der subtile Ironie erzeugt. 2012 entwirft der Schriftsteller in einem Haus in Istanbul ein Museum, das Fotos, Erinnerungsgegenstände und Dokumente versammelt, die aus der Welt des Buches stammen. Eine faszinierende, fetischistische und imaginäre Parallelwelt, die in diesem Essayfilm noch weiter getrieben und zu einer kinematografischen Geschichte und Behauptung erweckt wird. Eine Art «Vertigo von Istanbul», ein Film, der uns eintauchen lässt in den Kosmos des engagierten Autors und in die Nächte der schillernden Stadt am Bosporus.

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Credits

Originaltitel
Innocence of Memories - Orhan Pamuk's Museum and Istanbul
Titel
Innocence of Memories - Orhan Pamuk's Museum and Istanbul
Regie
Grant Gee
Land
TĂĽrkei
Jahr
2015
Drehbuch
Orhan Pamuk, Grant Gee
Montage
Jerry Chater
Musik
Leyland Kirkby
Kamera
Grant Gee
Ton
Ken Galvin
Produktion
Keith Griffiths, Janine Marmot
Formate
Blu-ray, DCP
Länge
97 Min.
Sprache
Englisch, TĂĽrkisch/d/f
Schauspieler:innen
Pandora Colin (Ayla), Mehmet Ergen (Kemal), Ara GĂĽler (Fotograf), SĂĽleyman Fidaye (Taxi), Dursun Saka (Ragpicker), TĂĽrkan Soray (Schauspielerin)

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Pressestimmen

«Wunderbares Kino!» Hanspeter Stalder, Der andere Film

«Zwischen diesem unerhört poetischen Ort und der umliegenden Stadt, zwischen dem literarischen Text und der Person des Autors webt der britische Filmemacher Grant Gee eine Erzählung, welche die Atmosphäre des Buches stimmig einfängt und gleichzeitig der Imagination des Zuschauers den nötigen Raum lässt. (...) Äusserst raffiniert ist die Bildsprache, mit der die unterschiedlichen Ebenen des Films fusioniert werden. Aufnahmen aus dem Museum wechseln mit Kamerafahrten durchs nächtliche Istanbul, wobei sich Gee bei der Bearbeitung der Aufnahmen am im Museum vorherrschenden Kolorit orientiert zu haben scheint: Vor dem Dunkel dominieren Rot- und Gelbtöne, aber oft getrübt und gebrochen oder konterkariert durch ausgewaschene, kühlere Farben; nur hie und da erhebt sich die Kamera weit über die Stadt und lässt sie schimmern wie ein königliches Diadem.» Angela Schader NZZ

«Grant Gees Essayfilm macht durch sein zart komponiertes Spiel mit Realität und Fiktion einen zentralen Gedanken Pamuks sinnlich erfahrbar: dass der Künstler nicht eine reale Stadt, eine reale Gesellschaft abbildet in seinem Werk, sondern die Stadt und ihre Menschen in der Kunst überhaupt erst erschaffen werden.» Christine Lötscher, Tages-Anzeiger

«Was für eine schöne Idee, Roman und Museum in einem Film zu verquicken, Text und Bild auf eine gemeinsame Ebene zu bringen und die Fülle von Alltagsgegenständen des Museums mit dem vertrackten Plot des Romans zu verbinden. » Franziska Hirsbrunner, Radio SRF 2

«Innocence of Memories, Grant Gees Film zu Orhan Pamuks Werk «Museum der Unschuld», ist eine Liebeserklärung an Orte und Dinge, die Erinnerungen speichern.» Céline Graf, Berner Kulturagenda

«Man muss Pamuks Roman nicht gelesen haben, um sich von dieser Welt verzaubern zu lassen; aber wer die Lektüre bisher versäumt hat, wird mit einiger Wahrscheinlichkeit vom Kino direkt in die nächste Buchhandlung eilen.» Neue Zürcher Zeitung

«Wer in den aktuellen Schlagzeilen über Istanbul liest, wird kaum auf fröhliche Neuigkeiten stossen. «Innocence of Memories» lädt zu einem alternativen Besuch der türkischen Grossstadt ein – nämlich auf einen romantisch-melancholischen Spaziergang.» Tageswoche

«Ein grossartiges Spiel zwischen Fiction und Non-Fiction, zwischen Erinnern und Erträumen. Zutiefst wird «Innocence of Memories» zu einem Sinnbild. Wofür? Für die Unschuld des Erinnerns? Die Unschuld des Gelebten? Die Unschuld des Geliebten?» Seniorweb

«Zusammen ergibt das einen wunderbaren Film über die unsterbliche Liebesgeschichte, komplex, doch nicht kompliziert, wenn man sich mittragen lässt in die Welt der Poesie. «Innocence of Memories» zeigt uns ein anderes Istanbul, als etwa jenes, das wir aktuell in den Medien wahrnehmen.(...) Irgendwo heisst es im Kommentar des Films, jede Stadt sei ein Museum. Und an einer anderen Stelle: Pamuk habe sich durch die Stadt geschrieben. Ja, der Film macht bewusst, dass es immer und überall Geschichten zu erzählen gibt. Auf jeder Strasse, hinter jeder Tür, auf jedem Tisch, in jedem Bett warten Geschichten, bis sie geweckt, erzählt oder geschrieben werden. Dinge des Alltags sind eingefrorene Lebensgeschichten. In sie hineinzuhorchen, laden der Film, das Buch und das Museum ein. Vielleicht bieten sie da und dort die Transzendenz, welche Religionen verlangt und geboten haben, bevor sie zu Institutionen wie Staaten oder Firmen erstarrt sind.» Hanspeter Stalder, Der andere Film