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Wenn man niemandem mehr trauen kann. Istanbul versinkt im Chaos. Bewaffnete Gruppen haben die Kontrolle über die ärmeren Stadtteile gewonnen. Die Polizei ist machtlos. Kadir wird vorzeitig aus der Haft entlassen und soll als Informant arbeiten. Er überprüft den Müll auf Sprengsätze und die Strassen auf verdächtige Subjekte hin. Doch als Erstes sucht er seinen jüngeren Bruder Ahmet auf. Wer kann wem noch trauen? Eine Momentaufnahme aus der nahenden Endzeit – von höchster Intensität.

Das türkische Kino ist in den vergangenen Jahren aufgefallen mit Filmen, die in den Kern existenzieller und politischer Fragen vorgedrungen sind. Sei das die Yusuf-Trilogie von Semih Kaplanoğlu, deren dritter Teil Bal in Berlin den Goldenen Bären gewann, sei es die monumentale Innenansicht Winter Sleep von Nuri Bilge Ceylan, in Cannes mit der Goldenen Palme geehrt. Emin Alpers jüngster Film Abluka ergänzt diese Werke mit einer atemberaubend konsequent gestalteten und Gänsehaut erzeugenden Betrachtung einer Gesellschaft, in der die Angst regiert und keiner mehr dem anderen trauen kann. Während zum Einstieg ein Mann aus dem Gefängnis entlassen wird mit dem Auftrag, draussen unauffällig für den Staat zu schnüffeln und dies nicht einmal dem eigenen Bruder zu sagen, fragt man sich am Ende des Filmes, ob seine Freiheit im Gefängnis nicht grösser gewesen sei.

Emin Alper hat einen Film gestaltet, der unter die Haut geht, weil er in einer wagen Zukunft spielt in einem Land, in dem diese verdammt nahe ist. Die Türkei steht mit einer Regierung, für die Waffen und Gefängnis alltägliche Instrumente der Disziplinierung geworden sind, für eine beängstigende Tendenz. Die Stadt im Film zuckt im Chaos von Gewalt und Gegengewalt. Paranoia dominiert alles. Der jüngere Bruder des Entlassenen mauert sich ein, weil er den Leuten nicht mehr traut. Wenn es einen Film gibt, der uns vor Augen führt, wohin ein Land und seine Gesellschaft driften, wenn Ausgrenzung und Verdacht bestimmend werden, dann dieser. Die Beklemmung vermittelt sich ganz direkt, eine ausgeklügelte Tonspur verleiht den düsteren Bildern den Abgrund, in den wir fallen, wenn nur noch das Dunkel regiert. Staatliche Gewalt und jene des Terrors sind nicht mehr zu unterscheiden. Kein gemütliches, aber ein ungemein starkes und beängstigend aktuelles Kinostück.

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Der türkische Film ABLUKA von Emin Alper wurde an den asiatischen Oscars mit dem Grossen Jurypreis ausgezeichnet.

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Originaltitel Abluka
Deutscher Titel Frenzy
Französischer Titel Frénésie
Andere Titel Frenzy
RegisseurIn Emin Alper
Land Türkei
Kinoformate Blu-ray, DCP
Drehbuch Emin Alper
Montage Osman Bayraktaroglu
Musik Cevdet Erek
Kamera Adam Jandrup
Ton Fatih Yadogou
Ausstattung Ismail Durmaz
Kostüme Nurten Tinel
Produktion Liman Film (Turquie), Paprika Films (France), Insignia Yapim (Turquie)
Länge 119 Min.
Sprache Türkisch/d/f
SchauspielerInnen
Mehmet Özgür Kadir
Berkay Ates Ahmet
Tülin Özen Meral
Müfit Kayacan Hamza
Ozan Akbaba Ali
Auszeichnungen

Spezialpreis der Jury, Filmfestival Venedig 2015

«Das ist mit langem Atem erzählt und hat doch unglaublich grosse Dringlichkeit. Eindrücklich zeigt der Film, was ein Klima von Misstrauen, Terror, unbedingtem Gehorsam mit Menschen anrichtet, sie zugrunde richtet. Emin Alpers ABLUKA ist meisterliche Erzählkunst.» SRF, Brigitte Häring

«Der Film entwickelt einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. ProgrammZeitung

«Unter Bombensuchern und Hundejägern im Schmutzviertel von Istanbul spielt dieses Drama über eine Türkei, die in politischer Gewalt versumpft. Brennend aktuell und zudem ein eigensinnig-verstörender Psychothriller über die Logik der Paranoia.» Tages-Anzeiger

«Der Film des türkischen Regisseurs Emin Alper, dessen Titel (Der Wahn) auf die Paranoia in einem zunehmend autoritäreren System zielt, funktioniert als dichte Parabel und als Drama um zwei Brüder.» Neue Zürcher Zeitung

«Der Film wirkt unendlich hoffnungslos. Er zeichnet das Porträt eines Staats, der in all seiner Grösse willigen kleinen Leuten, die so weit heruntergekommen sind, den Müll nach Material zum Bombenbau zu durchstöbern, die Kompetenz zur Grausamkeit an die Hand gegeben hat und der in dem selbst geschaffenen Grauen den Verstand verloren hat. (…) In dieser lang andauernden Massenvergiftung steckt auch das Gegengift zur Heilung der Seelen und Wunden. Sobald sie es ausgräbt, wird die Türkei die Blockade, in der sie gefangen ist, durchbrechen.» Die Zeit

«Abluka – Der Wahn - ist eine beklemmende Parabel über Wahn und Wirklichkeit – nicht nur, aber vor allem in der Türkei. Man kann diesen Endzeit-Film auch als Abgesang auf das Menschsein lesen, unabhängig von einem politischen System, als Sinnbild politischer Gewalt und Zeugnis davon, wie sie ausgeübt, erduldet und erlitten wird. Es herrscht ein kafkaeskes Klima – kalt, undurchsichtig, vernichtend.» Cineman

«Dass die Welt der TV-Bilder am Ende mit dem Alltag der kleinen Männer eins ist, hat auch damit zu tun, dass der Staat und seine Organe nach genau denselben Mustern operieren wie die Terroristen, gegen die sie sich lediglich zu verteidigen behaupten. Damit wollte Emin Alper aber explizit nicht die gegenwärtige Lage in der Türkei kommentieren. Vielmehr ging es ihm darum, eine zeitlose Parabel über Menschlichkeit, Freundschaft und Opportunismus in Zeiten extremer Gewalt zu zeigen. Es ist ihm gelungen, sehr gut sogar.» Maximum Cinema

«Emin Alper zeichnet surreale, Rembrandt-gleiche Tableaux der lauernden politischen Gewalt seines Landes.» Tagesspiegel

«Zwischen psychologischem Thriller und tragischer Allegorie, demontiert der Film die hinterlistigen Mechanismen von Staatsgewalt und stellt die Frage nach der individuellen Verantwortung.» La Liberté

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